Der Mann für alle Fälle: Interview mit Benjamin Groß

Es war nicht ganz einfach, einen gemeinsamen Termin für ein Interview mit Herrn Groß zu finden. Jetzt wissen wir warum: Benjamin Groß, Haustechniker bei der Museumslandschaft Hessen Kassel und unter anderem für das Hessische Landesmuseum zuständig, ist ein viel beschäftigter Mann. Selbstironisch beschreibt er sein Stellenprofil als „Mädchen für alles“, denn wenn‘s brennt, ist er sofort zur Stelle. Darum sind wir umso mehr erfreut, dass er sich Zeit für uns genommen hat, um ein wenig aus dem Arbeitsalltag zu erzählen.

Trotz Kabelsalat behält er den Überblick: Benjamin Groß, Haustechniker bei der MHK. Weiterlesen

Wohin mit all dem Stroh?

Wer derzeit über Land fährt, erfreut sich an weiten, goldgelben Kornfeldern. Teils wird schon geerntet, und große gerollte Strohballen liegen auf den Fluren. Verwendet wird das Stroh heute vorwiegend in der Landwirtschaft. Doch im frühen 18. Jahrhundert lieferte es das Ausgangsmaterial für virtuose Kunstwerke, wie sie sich noch heute in der Sammlung Angewandte Kunst erhalten haben. Ein Brettspielkasten, zwei Würfelbecher, zahlreiche Spielkarten, Spielmarken und selbst Würfel – sie alle besitzen Oberflächen aus raffiniert zusammengesetzten und eingefärbten Strohhalmen! Im neuen Hessischen Landesmuseum in Kassel werden diese Raritäten erstmals wieder ausgestellt werden.

Carl Hinrich Hering, Spiele mit Strohauflagen, Braubach am Rhein, 1724.

Carl Hinrich Hering, Spiele mit Strohauflagen, Braubach am Rhein, 1724.

 

 

 

 

 

 

 

 

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Ein Landgraf gräbt aus – Frühe Feldforschung auf der Mader Heide

Landgraf Carl auf einem zeitgenössischen Portrait. Künstler: wohl Hermann Hendrik II de Quiter (tätig 1700 bis 1731).

Landgraf Carl auf einem zeitgenössischen Portrait. Künstler: wohl Hermann Hendrik II de Quiter (tätig 1700 bis 1731).

Als vor einigen Jahren unserem durchlauchtigsten und großmächtigsten Landgrafen von Hessen, unserem allergnädigsten Fürsten und Landesvater, von gewissen Leuten die Nachricht zu Ohren gekommen war, daß nicht weit von der goldführenden Eder auf einer unfruchtbaren Feldlage, die die Anwohner des benachbarten Dorfes Maden die Maderheyde nennen, viele aus Rasenstücken errichtete Grabhügel zu sehen wären, ließ er diese bei seiner einmaligen Vorliebe für heimatliche Altertümer in seiner Gegenwart öffnen, um zu sehen, ob vielleicht unter ihnen alte Denkmäler verborgen wären.

So die einleitenden Worte des Marburger Universitätsprofessors Johann Hermann Schmincke in einer Abhandlung aus dem Jahr 1714. Schmincke berichtet darin über die Bergung vorgeschichtlicher Funde durch Landgraf Carl (Regierungszeit von 1670 bis 1730) auf der Mader Heide bei Gudensberg. Der Landgraf – bekannt für seine Vorliebe für Wissenschaft und Kunst – war offenbar auch an archäologischen Funden interessiert. Dabei boten ihm die Grabhügel der Mader Heide sicher ein leicht erkennbares und vielversprechendes Ziel.

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Daniela Focke: „Das Landesmuseum ist eine Schatztruhe“ !

Dass diese „Schatztruhe“ wieder vollständig neu bestückt wird, darum kümmert sich Daniela Focke und ihr Team mit großem Engagement und Einsatz. Die Grazerin ist Projektkoordinatorin des Umzugs der Objekte aus den Depots in die neu gestalteten Räume des Hessischen Landesmuseums – vom großformatigen Gemälde bis zur klitzekleinen Münze. Wobei man besonders behutsam sein muss und was ihr besonders Spaß macht, erzählte Daniela Focke uns in einem Interview.

Daniela Focke

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Die evangelische Marburger Tracht – modischer Look in Oberhessen

Kann eine Tracht als traditionelle ländliche Kleidung auch modern sein? Die evangelische Marburger Tracht kann! Entstanden ist sie vermutlich bereits im 18. Jahrhundert im Ebsdorfer Grund im heutigen Kreis Marburg-Biedenkopf. Sie breitete sich im Laufe der Zeit immer weiter aus und verlor dabei nie an Aktualität. Warum? Die Kunst war es, sich immer auch an der städtischen Mode zu orientieren. Aufgrund ihrer Beliebtheit verdrängte sie dabei andere, weniger auffällige Trachten wie die bis zu Beginn des 19. Jahrhunderts auch im alten Kreis Marburg verbreitete sogenannte schwarze Tracht des Hinterlandes.

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Verschlusssache – Nadeln aus der Bronzezeit

Ob zum Nähen, Stricken, Häkeln oder Heften – Nadeln bringen wir heute gewöhnlich mit Textilarbeiten in Zusammenhang. In der Archäologie steht der Begriff „Nadel“ dagegen meist für Gegenstände zum Verschließen von Kleidern oder zum Befestigen von Hauben oder Haaren – Aufgaben, die heute in der Regel Reißverschlüsse, Knöpfe, Haargummis oder Haarspangen übernehmen. Vor allem in der Bronzezeit (2200 bis 800 v. Chr.) sind solche Schmucknadeln in großer Zahl und Formenvielfalt belegt.

Brillennadel von Haina, Kreis Waldeck-Frankenberg.

Brillennadel von Haina, Kreis Waldeck-Frankenberg.

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einzigART – die jungen Freunde des Museumsvereins Kassel e.V.

Im Jahr 1974, anlässlich der Neueröffnung der Gemäldegalerie Alte Meister und der Antikensammlung, wurde der „Verein der Freunde der Kasseler Kunstsammlungen, Kassel e.V.“, heute „Museumsverein Kassel e.V.“, gegründet. Ziel des Vereins ist die Förderung der Museumslandschaft Hessen Kassel in unterschiedlichen Projekten im Bereich Ausstellungen, Restaurierung, Publikationen, Museumspädagogik oder Neuerwerbungen. 2008 war es dann soweit: innerhalb des Museumsvereins Kassel e. V. wurde einzigART, die jungen Freunde des Museumsvereins Kassel e.V., gegründet, um ein jüngeres Publikum anzusprechen. Momentan sammelt der Verein Spenden für die Restaurierung einer Prunkvase, die in der neuen Dauerausstellung im Hessischen Landesmuseum zu sehen sein wird.Das Team von einzigArt, 2015: Nicolas Wefers, Katharina Proksch, Julia Ronge (Sprecherin), Stefanie Rehm, Julia Friedrich, Carolin Oetterer, Rebecca Petri, Lara Schmidt, Sophie-Luise Mävers, Alexandra Winterhoff, Theresa Koch, Jan Sydow, Isabelle Berninger, Dana Schütte (v.l.n.r.) Fehlend: Johannes Hümme und Christiane Just (c) Foto: Bethke

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Dem Blaufärber über die Schulter geschaut

Wer kennt heute noch Löffelschnitzer, Kötzenmacher und Gelbgießer? Und was hat eigentlich ein Blaufärber genau gemacht? Eine Reise in vergangene Arbeitswelten alter Handwerke bietet die neue Dauerausstellung des Hessischen Landesmuseums. Berufe, die bis ins 19. Jahrhundert in vielen Werkstätten Nordhessens ausgeübt wurden, sind nicht nur ein Teil unserer regionalen Geschichte, sie lassen uns auch verstehen, wie abgekoppelt wir heute vom Entstehen vieler unserer Gebrauchsgegenstände sind. Blicken wir einmal in eine Blaufärberwerkstatt von damals.

vk92692-aus Privatbesitz-Rock, Schuerze uGuertelband

Schwälmer Tracht eines jungen Mädchens.
Der Stoff von Rock und Schürze
wurde in Handarbeit blau und schwarz gefärbt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Von der Rolle: Moritzgemälde im Hessischen Landesmuseum zur Restaurierung eingetroffen

Es ist ein Familienbild von besonderer Dimension: 2,35 mal 4,22 Meter misst das Ölgemälde „Landgraf Moritz von Hessen-Kassel mit seiner Familie“ von August Erich (1618-1628). Im Hessischen Landesmuseum, das im Dezember in Kassel wiedereröffnet, wird es eine besondere Attraktion auf Ebene zwei sein, die sich mit der nordhessischen Geschichte vom Mittelalter bis ins frühe 19. Jahrhundert befasst. Bis es soweit ist und die Besucher Landgraf Moritz und seiner Großfamilie Auge in Auge gegenübertreten können, sind wichtige Restaurierungsarbeiten nötig. Diese geschehen direkt vor Ort im neuen Ausstellungsraum auf einem großflächigen Tisch. Nun wurde das Gemälde mit einem Lastwagen zum Museum transportiert und von einer großen Rolle mit einem Durchmesser von 80 Zentimetern abgerolllt. In den kommenden fünf Monaten wird es fachgerecht vom Atelier Kluger und Böhme aus Baunatal restauriert.

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