Persönlich: Elisabeth Selbert

Schriftzug am Landgericht Frankfurt, Quelle: wikipedia

Schriftzug am Landgericht Frankfurt,
Quelle: wikipedia

Am 23. Mai 1949, vor 65 Jahren, trat das Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland in Kraft. Mit ihm der Satz „Männer und Frauen sind gleichberechtigt“, Artikel 3, Absatz 2. Maßgeblich eingesetzt für die Aufnahme dieses Satzes hat sich, als eine der „vier Mütter des Grundgesetzes“, eine Hessin. Elisabeth Selbert (1896–1986), Politikerin und Juristin aus Kassel. Dem Thema Gleichberechtigung widmet die ARD diesen Mittwoch einen Themenabend. Um 20.15 Uhr läuft der Spielfilm „Sternstunde ihres Lebens“, u. a. mit Iris Berben als Elisabeth Selbert, Anna Maria Mühe, Walter Sittler und Max von Thun. Grund genug, sich mit dieser interessanten und herausragenden Kasseler Persönlichkeit genauer auseinanderzusetzen.

Das Thema Gleichberechtigung von Frauen und Männern ist aktueller denn je. In Politik und Wirtschaft wird über die Einführung einer Frauenquote in Führungspositionen diskutiert und in den Medien wird immer wieder die Frage nach fehlenden männlichen Vorbildern für Kindergarten- und Schulkinder gestellt. Und obwohl der bereits genannte Artikel im Grundgesetz nun schon 65 Jahre alt ist, ist eine gleiche Lohnzahlung von Frauen und Männern in derselben Jobposition noch keine Selbstverständlichkeit.

Elisabeth Selbert ging es um eben diese Gleichberechtigung von Frauen und Männern vor dem Gesetz, aber auch im politischen, wirtschaftlichen und sozialen Leben. Geboren 1896 als Elisabeth Rhode in Kassel besuchte sie zunächst die Kasseler Gewerbe- und Handelsschule des Frauenbildungsvereins. Durch ihren späteren Ehemann und Sozialdemokraten Adam Selbert gewann sie mehr und mehr Einblick in die politischen Kreise und trat schließlich 1918 in die SPD ein. Ihr Ehemann unterstützte die Mutter zweier Söhne auch, auf der Luisenschule ihr Abitur nachzuholen und ein Studium der Rechtswissenschaften in Marburg und Göttingen aufzunehmen. Sie war dort eine der wenigen Frauen. Erst seit 1908 waren Frauen als Studentinnen an preußischen Universitäten zugelassen. 1930 promovierte sie schließlich mit einer Arbeit über „Zerrüttung der Ehe als Scheidungsgrund“. Neben ihren politischen Aktivitäten arbeitete sie als Rechtsanwältin mit einer eigenen Kanzlei in Kassel. So erlebte sie immer wieder, wie schlecht es damals um die Gleichberechtigung zwischen Frauen und Männern gestellt war. Besonders auch bei Scheidungsangelegenheiten und im Familienrecht.

Nach dem Zweiten Weltkrieg, in dem sie weiterhin als Anwältin tätig war, war sie u. a. Mitglied im Hessischen Landtag und Stadtverordnete in Kassel. Sie wurde außerdem 1948 als SPD-Politikerin in den Parlamentarischen Rat gewählt, welcher das Grundgesetz der Bundesrepublik erarbeitet. Hier kämpfte sie mit drei weiteren Politikerinnen, Friederike Nadig (SPD), Helene Weber (CDU) und Helene Wessel (Zentrumspartei), für die Aufnahme des Satzes „Männer und Frauen sind gleichberechtigt“ in Artikel 3 des Grundgesetz. Die Frauen hatten mit enormem Widerstand zu kämpfen, erreichten die Aufnahme des Satzes aber letztendlich auch durch die Mobilisierung der Presse und Öffentlichkeit. Zahlreiche Frauenverbände standen hinter ihnen und scheuten sich nicht, öffentlich ihre Meinung kund zu tun. Kriegsbedingt und durch die Einführung des Wahlrechts für Frauen 1918 waren immerhin mehr als die Hälfte der Wahlberechtigen zu der Zeit weiblich.

In der neuen Dauerausstellung wird es neben einem Porträt mit Biografie auch eine Hörstation zu Elisabeth Selbert geben. Zum Schluss können wir daher gespannt sein, wie das Leben und Werk dieser beeindruckenden Frau aus Kassel, der 1984 das Ehrenbürgerrecht der Stadt verliehen wurde, im Film umgesetzt wird.

TV Tipp: Mittwoch, 21. Mai 2014, 20.15 Uhr (Wiederholung am 22. Mai um 0.20 Uhr) im Ersten: „Sternstunde ihres Lebens“

Mehr zum ARD-Themenabend finden Sie unter http://www.daserste.de/unterhaltung/film/themenabend-im-ersten/index.html.

Für weitere Informationen zum Leben und Wirken von Elisabeth Selbert, hrsg. von der Hessischen Landesregierung: „Ein Glücksfall für die Demokratie“: Elisabeth Selbert (1896–1986); die große Anwältin der Gleichberechtigung. Wiesbaden 2008.

Autorin: Almuth Kölsch

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