„Haushaltshelfer ohne Strom – Original Rührfix“

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In unserem letzten Beitrag informierte Sie Lena Weber darüber, was ein Museum zum Museum macht. Hier möchten wir ansetzen und fragen, wann die Dinge alt genug sind, damit sie in eine museale Sammlung aufgenommen werden können. Welche Objekte sind es wert, gesammelt zu werden? Passt das Objekt in das Sammlungskonzept? Das sind nämlich die Fragen, die nicht nur theoretisch auf Fachtagungen diskutiert werden, sondern auch im Museumsalltag immer wieder gestellt werden müssen. Denn wann fängt Geschichte an?

Ein Beispiel hierfür ist der Original Rührfix. Für die ältere Generation ist es vielleicht noch gar nicht so lange her, dass er als neue Erleichterung für die Küchenarbeit angeschafft wurde. Für die jüngere Generation sieht er fast schon aus wie aus einer längst vergangenen Zeit. Als Retro-Objekt würde er gut in eine schicke Designküche passen. Wir haben uns dafür entschieden, dass er alt genug ist, um in der neuen Dauerausstellung im Hessischen Landesmuseum präsentiert zu werden. Handelt es sich hierbei doch um einen ganz besonderen Mixer, der nämlich in Kassel erfunden und zunächst auch hier hergestellt wurde. Hätten Sie das gewusst?

Wie alles begann

Bereits 1937, genauer gesagt am 24. Juni, also vor ziemlich genau 77 Jahren, meldete der Kasseler Ingenieur August Heinzerling das Konzept seines Original Rührfix beim Patentamt in München an. Es handelt sich um ein zylindrisches Glas mit einem Kunststoffaufsatz und einer Handkurbel. Durch das Drehen dieser Kurbel bewegen sich die beiden Rührer im Glas, ganz ähnlich wie bei einem heutigen Handrührgerät, nur eben ohne Strom. Der Rührfix war für die Zubereitung von Eischnee, Schlagsahne und Kuchenteig gedacht, doch Heinzerling setzte schon damals auf Multifunktionalität: Mit wenigen Handgriffen konnte man die Kurbel austauschen und stattdessen einen kleinen spitzen Aufsatz auf die Spitze des Deckels setzen. So war der Rührfix im Handumdrehen zu einer Zitruspresse umgebaut.

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Aufgrund von Materialmangel während des Zweiten Weltkriegs wurde die Produktion des kleinen Küchenhelfers unterbrochen. Doch bereits 1949 konnte Heinzerling, jetzt in Morschen im Schwalm-Eder-Kreis zuhause, mit der Produktion fortfahren. Bis 1997 wurden so insgesamt rund acht Millionen Original Rührfixe „Made in Hessen“ produziert! Später dann auch als Nostalgieprodukt neu aufgelegt, mag er bestimmt noch heute in der einen oder anderen Kasseler Küche zu finden sein.

Es wird interessant zu sehen sein, was für (Alltags-)Objekte in fünfzig oder hundert Jahren von unserer Generation in den Museen stehen werden. Ein Smartphone? Ikea-Möbel? E-Bikes?

Literatur:
Becker, Bettina M.: „Der ‚Original Rührfix‘ – von Kassel in die weite Welt“, in: Hessische Heimat 2012 Heft 2, 2013 Heft 1, S. 50-51.
Nolte, J.: Raus aus den Trümmern, rein ins Leben!: Geschichten vom Aufbruch und Neubeginn. Gudensberg-Gleichen: Wartberg-Verl. 2005, S. 40-41.

 

Autorin: Almuth Kölsch

8 Gedanken zu „„Haushaltshelfer ohne Strom – Original Rührfix“

  1. Liebe Rührfixfreunde,
    zu meiner grossen Freude fand ich heute Ihre Kommentare in meinem lieben PC — durch Googlehilfe — und danke Ihnen sehr für Ihre lieben Beiträge — ich fand jetzt im Küchenschränkchen mein liebes „Rührfix-Heinzelmännchen“ wieder!!Es ist schon lange in unserer Familie — ich bin 84 Jahre und freu mich sooo sehr,daß ich es wiederfinden durfte!! Zwar nur das so hilfreiche und wunderbare Oberteil,aber dies ist ja das Wichtigste und ich konnte damit — sehr froh und dankbar und voller Wonne — Eierkuchenteig zubereiten — eine Glaskaffeekanne assistierte uns dabei :)!! Herzlichsten Dank für den Tip mit dem Joghurteimerchen — das werd ich umgehend ausprobieren und mich dann auch wieder bei Ihnen melden!!
    Ich wünsche Ihnen allen und allen,die Sie liebhaben,auch ganz viel „Rührfixfreude“ und eine behütete,gesunde,frohe und bunte Herbstzeit und bin mit lieben Grüssen Ihre Sieghild Winkler

    • Liebe Frau Winkler,
      danke für Ihren Kommentar. Es ist doch erstaunlich, wie flexibel der Rühfix einsetzbar ist. Wir wünschen Ihnen auch weiterhin viel Freude mit dem „fleißigen Helfer“ und ebenso eine wunderbare Herbstzeit!

    • Lieber Herr Strupp,
      wir freuen uns über Ihr Interesse am Original Rührfix made in Hessen. Unserem Wissen nach gibt es ihn nicht mehr neu zu kaufen. Aber schauen Sie sich doch mal auf Flohmärkten oder in den Kleinanzeigen um, da finden Sie sicherlich noch ein gebrauchtes Exemplar.
      Viel Freude damit wünscht das HLM Blog-Team.

    • Den Original-Rührfix gibt es nur noch gebraucht zu erwerben, z.B. über Ebay. Ich selbst benutze noch einen, den ich vor gar nicht all zu langer Zeit in einem kleinen Tante-Emma-Laden in einer ganz kleinen holländischen Gemeinde NEU! erwarb. Er war billiger als die gebrauchten, die es heute noch gibt. So ist dann auch der Planetengetriebe-Aufsatz weiß und auch der Zitruspressen-Aufsatz (der hier im Bild in seiner eigentlichen [Warte-]Halterung fehlt), komplett vorhanden. Leider ist der dazugehörige Plastik-Rührbehälter infolge von Alterung des Plastiks undicht geworden. Aber das tut meiner Kurbel-Leidenschaft keinen Abbruch, denn die handelsüblichen Joghurt-Liter-Eimer scheinen wie gemacht als Ersatz für mein Rührfix-Modell, sie passen ideal! Noch ein paar Worte zur Technik: Die Genialität des Erfinders, vier Quirle werden mit nur vier Zahnrädern versorgt, zeigt auch ein Vergleich mit einem heute erhältlichen Clon. Da gibts doch diese Firma, wo die Frauen einem nach Feierabend Plastiksachen vorführen… Naja, diese Firma hat sich an einem Eigenbau mit allerdings 6 Quirlen versucht und benötigt allein 12 Zahnräder, von denen 3 dann noch doppellagig ausgeführt wurden, um zum selben Ergebnis zu kommen. Sie arbeiten aber längst nicht so präzise wie im Original Rührfix, was man an deutlichen Klappergeräuschen ‚ablesen‘ kann und bringen auch kein besseres Resultat. Der SpeedyChef liegt dann auch preislich derart hoch, dass ein elektrisches Gerät kostengünstiger erscheint. Wer für unterwegs etc. ein Handrührgerät braucht, ist mit einem (gebraucht erhältlichen) Rühr-Fix besser beraten als mit einem neu oder gebraucht beziehbaren Speedy

      • Lieber Teddy Pflege,
        wir freuen uns sehr über Ihren umfassenden Kommentar – vor allem die technischen Details betreffend. Ihre Ausführungen sind nicht nur für unsere Leserinnen und Leser interessant, sondern auch wir haben etwas neues dazugelernt. Herzlichen Dank dafür und weiterhin viel Freude mit Ihrem Original Rührfix. Und falls Sie sich doch entschließen, dem Speedy-Chef eine Chance zu geben, lassen Sie es uns wissen.

  2. Lieber Herr Görke, vielen Dank, dass Sie uns an Ihrer Geschichte teilhaben lassen. Es ist immer sehr spannend, die Geschichten hinter den Objekten zu erfahren, und dann auch noch von jemandem, der direkt an der Herstellung des Rührfix beteiligt war. Was uns jetzt noch interessiert: Haben Sie denn selbst noch einen Rührfix in der Küche stehen oder ist er vielleicht schon, ähnlich wie der Rührfix aus der Sammlung Volkskunde, in die (Wohnzimmer-)Vitrine gewandert?

  3. In 1961 habe ich bei August Heinzerling eine Lehre im Werkzeugbau begonnen. Ich in dieser Zeit alle Abteilungen durchlaufen und wurde auch als Kostrukteur von August Heinzerling ausgebildet. Später wurde ich von Ihm, aufgrund meiner erworbenen Fähigkeiten als Betriebsleiter eingesetzt. Darauf hin ging ich in Kassel zur Abendschule und machte mit ausgezeichnetem Erfolg meine Meisterprüfung. Als Meisterstück konstruierte und fertigte ich eine Form zur Herstellung des Kurbelknopfes aus Kunststoff für den Rührfix.
    Noch heute bin ich als Prüfer im Prüfungsausschuss der IHK Kassel tätig.

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