Mein FSJ Kultur in der Sammlung Volkskunde

Mein Name ist Tamara Block, ich bin 20 Jahre alt und mache seit dem 1. September 2013 ein Freiwilliges Soziales Jahr in der Sammlung Volkskunde der Museumslandschaft Hessen Kassel. Schon seit frühester Kindheit interessiere ich mich für Geschichte und bewege mich auch in meiner Freizeit gerne auf den Spuren meiner Ahnen. Als meine Mutter vor drei Jahren Dr. Martina Lüdicke, Leiterin der Sammlung Volkskunde bei der MHK, kennenlernte und diese mir ein Praktikum anbot, eröffnete sich mir eine ganz neue Welt. In zwei Jahren ehrenamtlicher Mitarbeit bearbeitete ich 400 Feldpostbriefe aus dem Ersten Weltkrieg und konnte so, obwohl knapp 100 Jahre entfernt, den Kriegsalltag zweier Brüder aus Ihringshausen hautnah miterleben.

Ein Jahr hinter den Kulissen eines Museums

Durch das FSJ war und ist es mir möglich, einen Blick hinter die Kulissen der täglichen Museumsarbeit zu werfen und auch an der Vorbereitung der neuen Dauerausstellung des Hessischen Landesmuseums mitzuwirken.

So habe ich zahlreiche Recherchen durchgeführt, Objekttexte verfasst und eine Biografie über einen der „Feldpostbrüder“, Albert Soost, geschrieben. Dieser war nicht nur im Ersten Weltkrieg eingesetzt, sondern auch in der Wandervogelbewegung aktiv (lesen Sie hier den dazugehörigen Artikel). Für einen Vortrag recherchierte ich im Archiv der deutschen Jugendbewegung auf der Burg Ludwigstein, um Näheres über die Hintergründe der Bewegung zu erforschen.

Wie schwer es Frauen mit Berufswunsch im Kaiserreich hatten, erfuhr ich, als ich einen Text für den Themenkomplex „Lehrerin im Kaiserreich“ für das Landesmuseum verfasste. Um mehr über die rechtlichen Grundlagen der Lehrerinnenausbildung und dem späteren Berufsleben zu erfahren, musste ich mich zunächst durch eine Fülle von Gesetzen, Verordnungen und anderweitigem Quellenmaterial arbeiten. Wussten Sie beispielsweise, dass die Ernennung zur Lehrerin mit einer Zölibatsklausel versehen war?

Das breite Spektrum der Volkskunde

Eine besondere Freude bereitete mir meine Aufgabe, einen Teil der beachtlichen Trachtensammlung der Volkskunde für die neue Dauerausstellung des Landesmuseums zu fotografieren. Diese Fotos dienten als Grundlage zur Auswahl der Trachten, die in der neuen Dauerausstellung zu sehen sein werden. Mehrere Wochen verbrachte ich in Mitten von Hauben, Kitteln und Schuhen, die mir die vielfältige Farben- und Formenwelt der nord- und mittelhessischen Trachtenwelt nahebrachten. Man mag es kaum glauben, doch sowohl Ballerinas als auch moderne Duttversionen haben Ähnlichkeiten mit den Schuhen der hessischen Trachten und den Frisuren, die damals getragen wurden.

Von den eher feinen Stoffgefilden der Trachten ging es zu den gröberen Bestandteilen der Sammlung, dem Handwerk. In den 1930er Jahren hat der Museumstechniker August Gandert eine sogenannte „Handwerkererhebung“ durchgeführt, indem er vom Aussterben bedrohte Handwerksbetriebe besuchte und die Arbeitsweise der Handwerker dokumentierte. Zu dem großen dokumentarischen Bestand, den er der Volkskunde hinterließ, zählt auch eine umfangreiche Fotosammlung, die ich inventarisierte. Längst vergessene Berufe wie Nagel- oder Frisöreisenschmied, Posamentierer, Küfer, Blaudrucker und Leinweber werden durch die von Gandert fotografisch festgehaltenen Arbeitsprozesse wieder lebendig und greifbar. Lebenswelten eröffneten sich, in denen man noch individuell fertigen ließ, statt Massenware im Supermarkt zu kaufen.

Zurückblicken kann ich nun auf ein spannendes und lehrreiches Jahr, in dem ich die Welt des Museums für mich entdecken durfte.

Interessieren Sie sich auch für ein FSJ-Kultur? Jedes Jahr werden bei der MHK drei FSJ-Stellen vergeben, im Marketing, bei der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit und in der Sammlung Volkskunde. Hinweise zur Bewerbung finden Sie unter http://fsjkultur.de/bewerbung-fwd.html.

Autorin: Tamara Block

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