Neulich in Hamburg

Blauer Himmel, die Sonne strahlt – Hamburg zeigte sich an einem Dienstag Ende Januar von seiner schönsten Seite. Uns führte jedoch nicht das herrliche Wetter in die Hansestadt, sondern die Produktion der Audiostationen für die neue Dauerausstellung. Ein Bericht.

In der neuen Dauerausstellung im Hessischen Landesmuseum in Kassel lassen wir nicht nur konkrete Objekte zu Ihnen „sprechen“, sondern auch Menschen, die Ihnen ihre ganz persönliche(n) Geschichte(n) erzählen. Für die jüngere Vergangenheit seit dem Zweiten Weltkrieg wurden hierfür Interviews geführt. Ausschnitte daraus lassen teilhaben an persönlichen Erfahrungen mit historischen Ereignissen und individuellen Empfindungen. Für den Zeitraum davor haben wir Ausschnitte aus vielfältigem Quellenmaterial, zumeist persönliche Aufzeichnungen, zusammengestellt. Diese ausgewählten Passagen wurden nun in Hamburg von professionellen Sprechern eingesprochen. Dabei handelt es sich um ganz unterschiedliche Quellen: Die Bandbreite reicht von einem Auswandererbrief von 1859 bis zu einem Schulaufsatz eines jungen Mädchens aus dem Jahr 1942. Daneben verwenden wir Dokumente, Protokolle und Verordnungen.

Da die Sprache der historischen Briefe oder Verordnungen nicht immer ganz einfach zu verstehen ist und es hier besonders auf Nuancen bei der richtigen Intonation ankommt, war es wichtig, bei den Sprachaufnahmen dabei zu sein. Daher machten sich die Mitarbeiterinnen der Sammlung Volkskunde auf den Weg nach Hamburg zum Büro der Kreativagentur jangled nerves, dem ein Tonstudio mit Sprecherkabine angegliedert ist.

Während der Aufnahmen befindet sich der Sprecher in der schallisolierten Kabine mit Sichtfenster, die von innen mit Absorbern aus Schaumstoff gedämmt ist. Diese sind wichtig, damit während der Aufnahme nur die Stimme des Sprechers bzw. der Sprecherin von den empfindlichen Mikrofonen aufgezeichnet wird und keine Nebengeräusche von außerhalb eindringen können. Die Absorber filtern bestimmte Frequenzen, was die Qualität der Aufnahmen enorm steigert. Des Weiteren befinden sich in der Kabine ein Mikrofon sowie ein Kopfhörer, den der Sprecher während der Aufnahmen trägt. Sobald er beginnt vorzulesen, werden die Aufnahmen aufgezeichnet. Vor der Kabine, hinter einem Schreibtisch, befinden sich die Mitarbeiter von jangled nerves vor drei großen Monitoren, wir, die Kolleginnen der MHK, sitzen im Hintergrund. Während wir vor allem auf eine sinnhafte Wiedergabe des Textes achten, konzentriert sich der Tonmeister auf eine technisch störungsfreie Aufnahme. Die Sprachregie prüft die exakte Wiedergabe der Texte und feilt mit dem Sprecher an verschiedenen Varianten. Es ist erstaunlich, wie der Sprecher allein durch eine kleine Veränderung der Stimme beispielsweise einen Brief eines 23-Jährigen ebenso authentisch wiedergeben kann wie die Erinnerungen eines Mittvierzigers. Hat sich der Sprecher einmal versprochen, macht er eine kurze Pause und wiederholt den vorherigen Satz. Die Pause ist nötig, damit die Aufnahme im Anschluss einwandfrei geschnitten werden kann. Wichtig ist, dass keine Nebengeräusche wie Schmatzer oder lautes Atmen zu hören sind, die Intonation bei der Aufnahme konstant bleibt und der Sprecher den Text nicht zu schnell vorliest. Nachdem die Aufnahmen mit Andreas Otto, der die männlichen Hörstationen einsprach, fertiggestellt waren, begannen die Aufnahmen mit Carla Becker, die ihre Stimme den „weiblichen Quellen“ lieh. Dies ging relativ schnell, da es weit weniger Quellen vorzulesen gab.

Am Ende des Tages waren alle Hörstationen eingesprochen. Nun müssen sie noch von den Mediengestaltern geschnitten und von evtl. aufgenommenen Störgeräuschen bereinigt werden. Wir sind gespannt auf die endgültigen Versionen und wie sie letztendlich zusammen mit den Objekten wirken werden.

Autorin: Almuth Kölsch

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