Die Sammlungsleiterinnen (2): Dr. Antje Scherner

Dr. Antje Scherner

Liebe Frau Scherner, vielen Dank, dass Sie sich Zeit für dieses Interview nehmen. Wovon halte ich Sie gerade ab?

Gerade sind wir in den letzten Zügen der Korrekturen der Objektbeschriftungen. Auch wenn diese praktisch fertig sind, müssen doch neue Erkenntnisse, etwa zu den Materialzusammensetzungen, eingearbeitet werden.

Welchen Berufswunsch hatten Sie mit fünf Jahren?

(lacht) Daran, was ich mit fünf Jahren werden wollte, kann ich mich nicht mehr erinnern. Aber ab der Schulzeit war mein Berufswunsch Journalistin.

Wie haben Sie ihren ersten Museumsbesuch in Erinnerung?

Der erste Museumsbesuch war ein Schulausflug ins Naturkundemuseum in Stuttgart, bei dem mich vor allem die dort ausgestellten riesigen Skelette beeindruckt haben. Später hatte ich eine Schulkameradin, deren Vater im Museum gearbeitet hat und von dem wir Einladungen zu den Ausstellungseröffnungen bekamen. Diese Eröffnungen waren für mich immer etwas ganz besonderes.

Wie hat es Sie schließlich selber ins Museum verschlagen?

Der Wunsch, im Museum zu arbeiten, ist erst während meiner Arbeit am Max-Planck-Institut in Rom gereift. Das Volontariat danach war also ein Sprung ins kalte Wasser. Aber bereits nach der ersten Woche wusste ich, dass das Museum genau das Richtige für mich ist.

Wie würden Sie die Sammlung Angewandte Kunst mit drei Schlagwörtern beschreiben?

Vielseitig – hochspannend – wunderschön!

Wieso sollen Besucherinnen und Besucher sich die neue Dauerausstellung im Hessischen Landesmuseum ansehen?

Weil sich im Hessischen Landesmuseum spektakuläre Kunstwerke und höchster Kunstgenuss mit bedeutenden Epochen hessischer Geschichte verbinden, die anhand der einzelnen Objekte sehr gut aufgezeigt werden können.

Wenn Sie ein Exponat aus der Dauerausstellung sein könnten, welches wären Sie dann gerne?

(lacht) Das Modell des heiligen Grabes in Jerusalem. Dann wäre ich weitgereist und in zwei ganz verschiedenen Kulturkreisen zu Hause. Das aus Olivenholzbaum und Perlmutt gefertigte Modell wurde Mitte des 17. Jahrhunderts in Bethlehem hergestellt. Vermutlich fand es als Andenken an eine Pilgerreise seinen Weg bis in die landgräfliche Kunstkammer. Durch sein fremdes Ursprungsland und die abenteuerliche Pilgerreise ins Heilige Land war es von Geheimnissen umgeben. Gleichwohl zeigt es eines der wichtigsten christlichen Heiligtümer. Christen aus Europa waren stets auf besondere Weise mit solchen Objekten verbunden.

Modell des heiligen Grabes in Jerusalem aus Olivenholz und Perlmutt (MHK, Sammlung Angewandte Kunst)

Modell des heiligen Grabes in Jerusalem aus Olivenholz und Perlmutt (MHK, Sammlung Angewandte Kunst)

Frau Dr. Scherner ist seit 2006 Kustodin und später Leiterin der Sammlung Angewandte Kunst. Davor studierte sie in München und Rom Kunstgeschichte, Neuere Deutsche Literaturwissenschaft und Mediävistische Germanistik. Ihre Promotion verfasste Frau Dr. Scherner am Max-Planck-Institut für Kunstgeschichte in Rom. Ihr Volontariat absolvierte sie in Dresden, u.a. am Grünen Gewölbe.

Wir bedanken uns ganz herzlich für das Gespräch.

Das Interview führte Stefanie Cossalter-Dallmann.

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