Die Projektmanagerin: Dr. Gisela Bungarten

Nachdem Sie in den letzten Wochen die Sammlungsleiterinnen des Hessischen Landesmuseums kennengelernt haben, stellen wir Ihnen heute eine weitere Mitarbeiterin der Museumslandschaft Hessen Kassel vor: Dr. Gisela Bungarten. Sie ist als Projektmanagerin an der Wiedereröffnung des HLM beteiligt. Wie genau und welche Aufgaben sie außerdem innehat, erfahren Sie in diesem Interview[1].

Liebe Frau Bungarten, womit sind Sie gerade beschäftigt?
Ich bin dabei, einen wissenschaftlichen Workshop zu Landgraf Carl am 19. Juni in Kassel zu organisieren. Der Landgraf und seine kulturpolitische und politische Auswirkung auf die Landgrafschaft Hessen-Kassel sind Themen, denen wir uns im Jahr 2018 mit einer großen Sonderausstellung zuwenden möchten.

Welches sind Ihre Aufgaben im Zuge der Wiedereröffnung des Hessischen Landesmuseums?
Zum einen begleite ich die Entwicklung der inhaltlichen Neukonzeption für alle drei Etagen des Museums und stehe den Sammlungsleiterinnen hilfreich zur Seite. Zum anderen geht es um die Betreuung der neu entstehenden Publikationen, des Audioguides und des Multimediaguides. Außerdem bin ich zur Stelle, wenn‘s brennt und ganz allgemein Unterstützung benötigt wird, zum Beispiel im Bereich Finanzen, der Vergabe eines Werkvertrags, Anfragen von Übersetzungen, etc.

Welche weiteren Aufgaben übernehmen Sie bei der Museumslandschaft Hessen Kassel?
Ich leite bei der MHK den Stab, zu dem die Abteilungen Vermittlung und Bildung, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Marketing und die Bau- und Denkmalpflege gehören. Zudem bin ich stellvertretende Direktorin, also unter anderem auch für Verwaltungsdinge wie Finanz- und Personalangelegenheiten zuständig. Zum eigentlichen Kernbereich meiner Aufgaben gehört die Betreuung von Publikationen und Ausstellungen. Man könnte mich also getrost als eiermilchlegende Wollmilchsau bezeichnen.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?
Ich mache mir jeden Morgen schriftlich einen Plan, welche Aufgaben ich im Laufe des Tages erledigen möchte. Diesen Plan kann ich spätestens nach einer halben Stunde über den Haufen werfen, weil ein dringender Anruf oder eine E-Mail oder ein Brief zuerst meine Aufmerksamkeit in Anspruch nimmt und beantwortet werden muss. Sehr viel Zeit geht für Besprechungen und Arbeitstreffen drauf, sei es auf Leitungsebene, in den Abteilungen Vermittlung und Bildung, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit und Marketing oder wichtigen Partnern wie Kassel Marketing, anderen Gremien der Stadt oder des Ministeriums. Ein Großteil der eigentlichen Tätigkeit besteht im Schreiben von E-Mails oder Briefen, Führen von Telefonaten, Lesen und Verfassen von Texten und im Delegieren von Arbeiten.

Welchen Berufswunsch hatten Sie als kleines Kind?
Als Sechsjährige wollte ich Gärtnerin werden. Dafür habe ich von meinen Eltern mein erstes eigenes Beet bekommen und dort die tollsten Dinge gezogen wie Radieschen und Kresse. Zudem habe ich ein Herbarium angelegt und dort selbst gepresste Blüten eingeklebt, mit Angaben zu Fundort und Datum des Pflückens – also gar nicht so schlecht, wenn man das Alter beachtet… Als Jugendliche von 14 Jahren habe ich dann beschlossen, Museumsdirektorin zu werden – natürlich ohne den blassesten Schimmer zu haben, was das eigentlich bedeutet!

Wie haben Sie ihren ersten Museumsbesuch in Erinnerung?
Es gab eine Aktion für Kinder, die der legendäre Krefelder Museumsdirektor Paul Wember ins Leben gerufen hatte: Die Eltern sollten Zeit haben, am Sonntagmorgen um 11 Uhr im Kaiser Wilhelm Museum einem wissenschaftlichen Vortrag zu lauschen, während die Kinder mit einem speziellen Programm betreut wurden, das unter anderem künstlerisches Werken vorsah. Da ich als kleines Mädchen eine begeisterte Malerin war, fand ich das Angebot großartig und wollte sonntags immer ins Museum – freiwillig!

Wie hat es Sie dann selber ins Museum verschlagen?
Ich habe angefangen, Kunstgeschichte an der Freien Universität Berlin zu studieren. Dort wurde uns sehr früh klar gemacht, dass wir unbedingt Praktika machen sollten, um das wissenschaftliche Studium zu ergänzen und zu bereichern. Ich habe in die unterschiedlichsten Bereiche hineingeschnuppert (von der Dombauverwaltung in Köln über eine archäologische Grabung beim Kloster Hude bis zur Assistenz bei einem Museumsfotografen), und mir wurde relativ rasch klar, dass ich gerne im „klassischen Museumsbereich“ arbeiten möchte. Zum einen, um die Chance zu nutzen, ganz eng mit verschiedensten Objekten in den Sammlungen zu arbeiten und zum anderen, um die Möglichkeit zu haben, Besucher mit Informationen zu versehen und ihnen über die Objekte kulturelle Inhalte zu vermitteln.

Wie würden Sie das Hessische Landesmuseum mit drei Schlagworten beschreiben?
spannend – informativ – Neugierde weckend

Worauf freuen Sie sich besonders, wenn das Hessische Landesmuseum wieder seine Pforten öffnet?
Auf die Reaktionen der Kasseler, Kasselaner und Kasseläner!

Wieso sollen Besucher ins Hessische Landesmuseum in Kassel kommen?
Weil dort mit wunderbaren, aufregenden und teilweise überraschenden Objekten nordhessische Geschichte auf anschauliche und spannende Art und Weise erzählt wird.

Dr. Gisela Bungarten

Dr. Gisela Bungarten

Dr. Gisela Bungarten hat Kunstgeschichte, Anglistik und Italianistik in Berlin sowie Neapel studiert und im Jahre 2002 ihre Promotion zum Thema „Johann Heinrich Füsslis ‘Lectures on Painting‘. Das antike Vorbild und die moderne Nachahmung“ abgeschlossen. Seit 2009 arbeitet sie bei der Museumslandschaft Hessen Kassel als Projektkoordinatorin und seit 2011 ist sie zudem stellvertretende Direktorin.

Herzlichen Dank für den spannenden Einblick in Ihre Arbeit, liebe Frau Bungarten!

Autorin: Susann Elsner

 


[1] Die Fragen wurden von Frau Dr. Bungarten schriftlich beantwortet.

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