Quelle, Neckermann, Bader und Co. – nicht nur zum Bestellen. Versandhauskataloge in der Sammlung Volkskunde

Neckermann Frühling/Sommer 1961

Neckermann Frühling/Sommer 1961

„Neckermann macht’s möglich“, „Otto … find‘ ich gut!“, „Meine Quelle“ – wer kennt sie nicht, die Slogans der bekannten Versandhäuser Neckermann, Otto und Quelle, deren umfangreiche Kataloge angesichts florierender Onlineshops wohl bald der Vergangenheit angehören werden. Dass sie sich als Zeugen einer vergangenen Waren- und Konsumwelt ihren Platz im Museum verdient haben, darüber sprach Almuth Kölsch in der Kunstpause letzte Woche. 

Die bekanntesten Versandhäuser wurden in den 1950er-Jahren gegründet (Neckermann: 1950, Otto: 1949, Heine: 1951, Schwab: 1955), andere hatten schon zuvor großen Erfolg. Quelle – ein bewusst gewählter Name, der den direkten Weg des Produkts vom Versender ohne Umweg über den Zwischenhändler bis hin zum Endverbraucher suggerieren sollte – verschickte seinen ersten Katalog 1928. Auf 92 Seiten wurden 2500 Angebote aus den Lebensbereichen Familie, Haushalt, Arbeitsplatz und Freizeit angeboten. Der erste Hauptkatalog nach dem Zweiten Weltkrieg erschien 1954 und wurde mehr als zwei Millionen Mal verschickt.

Neckermann verschickte seinen ersten Prospekt 1950. Um den Kunden jedoch eine lange Tradition vorzugaukeln, erhielt dieser die Nummer 119. Der 12-seitige Prospekt wurde an 100.000 Adressen in ganz Deutschland versandt, die der Gründer Josef Neckermann vom Flüchtlingsamt erhielt. Neckermann erweiterte sein Angebot stetig: von Mode über Elektrogeräte – oft in Eigenmarke produziert und daher besonders günstig – Lebensmittel und Möbel bis hin zu Fahrrädern und Reisen: Neckermann machte es möglich, und zwar für jedermann und jede Frau. Der Versandhandel boomte, vor allem in den 1950er- und 1960er-Jahren.

Die Branche erlebte einen weiteren Aufschwung nach der Wiedervereinigung 1989. Allein 1990 und 1991 stieg der Umsatz um 43 Prozent, brach jedoch aufgrund von Onlineshops und Multisellern wie Amazon oder Zalando Ende der 1990er-Jahre ein. Nur der Otto-Versand, der bereits seit 1995 einen Onlineshop betreibt und inzwischen auch eine Shopping-App für das Smartphone anbietet, besteht noch heute und bringt zweimal jährlich einen Katalog heraus.

In der Sammlung Volkskunde dienen die Versandhauskataloge vor allem als Nachschlagewerke und als Zeugnisse einer vergangenen Alltagskultur. Sie werden bei der Inventarisierung benutzt, wenn beispielsweise Objekte in die Sammlung kommen, die man heute in ihrer Funktion nicht mehr kennt oder deren korrekte Bezeichnung nicht mehr geläufig ist. Wussten Sie zum Beispiel, dass es in den 1950er- und 1960er-Jahren eine Strumpftasche gab, die speziell für Feinstrümpfe gedacht war? Sie enthielt einzelne Fächer für jedes Strumpfpaar, sodass die heiß begehrten aber sehr Laufmaschen-empfindlichen Nylons jede Reise gut in der Handtasche oder im Koffer überstehen konnten.

In der neuen Dauerausstellung im Hessischen Landesmuseum selbst werden Sie jedoch nicht nur Objekte sehen, die Sie vielleicht noch aus früheren Katalogen kennen, sondern auch einen Katalog selbst. Durch die Verbreitung der Kataloge war es auch den Menschen auf dem Land möglich, umstandslos dieselbe Ware zu bekommen, wie die Menschen in den urbanen Regionen. Dies brachte nicht nur eine Demokratisierung der Mode mit sich, sondern erweiterte den Kundenkreis der Versandhändler enorm. So profitierten beide Seiten davon, und letztendlich auch die Museen für Alltagskultur, denen die Exemplare heute noch zur Verfügung stehen.

Autorin: Almuth Kölsch

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