Frühes Kupfer: Ein bemerkenswerter Fund von Kassel-Fürstenwald

Um das Jahr 1995 wurde im Vorland des Dörnbergs eine Beilklinge aus Kupfer aufgelesen. Der Finder hielt sie zunächst für einen alten Lötkolben und wurde erst durch eine Fernsehsendung auf den vorgeschichtlichen Charakter des Fundes aufmerksam. So dauerte es einige Zeit, bis das Stück im Jahr 2013 dem Landesamt für Denkmalpflege in Marburg gemeldet wurde und schließlich in die Sammlung Vor- und Frühgeschichte des Hessischen Landesmuseums in Kassel gelangte.

Die so bekannt gewordene Beilklinge besteht aus Kupfer. Sie ist 10,85 cm lang und an der Schneide 4,4 cm breit. Ihre größte Dicke beträgt 1,67 cm. Der Klingenumriss ist trapezförmig mit gerade verlaufenden, nur schwach an den Schneidenecken ausschwingenden Längsseiten. Leider hat der Finder das Stück bereits gereinigt und poliert, so dass es heute eine hell glänzende Oberfläche zeigt. Die ursprüngliche Form der Klinge dürfte dabei aber kaum verändert worden sein. Dafür sprechen Unregelmäßigkeiten auf der Oberfläche, insbesondere die gut erkennbaren Fließstrukturen im oberen, schmal zulaufenden Klingenteil. Sie stammen vom Guss und wären bei einer stärkeren Verformung des Stückes sicher nicht erhalten geblieben.

Das Beil von Kassel-Fürstenwald ist bemerkenswert, weil es zu einer kleinen Gruppe von Kupferartefakten gehört, die noch in die Jungsteinzeit datieren – also noch vor den Beginn der Bronzezeit um 2200 v. Chr. Sie bilden die ältesten Metallerzeugnisse des nordhessischen Raums. Meist handelt es sich dabei um Beilklingen, die im Unterschied zu jüngeren Stücken keine Randleisten zeigen – eine technische Neuerung zur besseren Fixierung der Klinge im Schaft, die sich erst mit dem Beginn der Bronzezeit allgemein verbreitet.

Randleistenbeil der Bronzezeit von Dörnhagen

Beil mit Randleisten von Dörnhagen

Für das hohe Alter der frühen Kupferfunde spricht auch ihre Ähnlichkeit mit Artefakten aus geschliffenem Stein. Das lässt sich besonders gut am Beispiel eines frühen Kupferbeils von Hertingshausen zeigen. Es stimmt so gut mit den so genannten spitznackigen Steinbeilen der Michelsberger Kultur überein, dass viele Archäologen meinen, es sei nach dem Vorbild der Steinbeile geformt, und da die Michelsberger Kultur in die Zeit von 4200 bis 3600 v. Chr. datiert, ist damit zugleich ein Ansatz für die zeitliche Einordnung des Kupferbeiles gewonnen.

Kupferbeil von Hertingshausen (links) und spitznackiges Steinbeil der Michelsberg Kultur

Kupferbeil von Hertingshausen (links) und spitznackiges Steinbeil der Michelsberger Kultur (rechts)

Beide Stücke – das Beil von Kassel-Fürstenwald und das von Hertingshausen – werden in der neuen Dauerausstellung des Hessischen Landesmuseums zu sehen sein. Sie sind wichtige Zeugnisse des vorgeschichtlichen Menschen auf dem Weg in die Bronzezeit, in das erste deutlich von Metallgerätschaften geprägte Zeitalter.

Autor: Andreas Sattler

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