… nicht alles Gold was glänzt – ein Besuch in der Metallrestaurierung

Metallrestauratoren konservieren und restaurieren ganz unterschiedliche Objekte. Das können archäologische Exponate aus der Vor- und Frühgeschichte, aus dem Kunsthandwerk und wissenschaftliche Messinstrumente oder Alltagsgegenstände aus der Friedrich Trier und Julia Fondis in der WerkstattSammlung Volkskunde sein. Im Rahmen der Neueinrichtung des Hessischen Landesmuseums kümmern sich momentan zwei Restauratoren ausschließlich um die Metallobjekte. Die Erkenntnis, dass nicht alles Gold ist was glänzt, hatten wir aber schon vor unserem Besuch in der Werkstatt von Metallrestaurator Friedrich Trier und Volontärin Julia Fondis.

An welchen Objekten arbeiten Sie momentan?

Julia Fondis: Ich arbeite momentan an einem gusseisernen Ofen, der in der neuen Dauerausstellung des Landesmuseums im Bereich „Gründerzeit“ zu sehen sein wird. Es handelt sich um einen Hopewellofen, eine der gängigsten Ofenarten Ende des 19. Jahrhunderts. Sein Name leitet sich vom englischen „hope well“ ab und deutet vermutlich auf die Hoffnung auf ein gutes Feuer hin. Einer seiner vier Standfüße war gebrochen, den habe ich geklebt, so dass der Ofen wieder sicher steht.
Die Hauptaufgabe besteht darin, die Korrosion auf der Oberfläche auszudünnen. Das mache ich durch Festkörperstrahlen mit einem Gemisch aus Glas-, Kunststoff- und Obstschalengranulat und arbeite dann nochmal mit verschiedenen Drahtbürsten darüber.

Linke Ofenplatten vor und rechte nach der Restaurierung. Deutlich erkennt man hier den grauen, seidig-glänzenden Effekt des Gusseisens, der daher auch Grauguss genannt wird.

Linke Ofenplatten vor und rechte nach der Restaurierung. Deutlich erkennt man hier den grauen, seidig-glänzenden Effekt des Gusseisens, der daher auch Grauguss genannt wird.

Friedrich Trier: Früher bearbeitete man die Objekte so, dass sie wieder „wie neu“ aussahen. Heute kann der Betrachter an der Oberfläche die Spuren des Alterns und somit den historischen Charakter des Objekts ablesen. Alle Spuren der Herstellungsgeschichte, der späteren Überarbeitungen, Spuren der Benutzung und hierdurch entstandene Schäden sind wichtige Zeitzeugen, die erhaltenswert sind. Einerseits soll der Museumsbesucher ein „ansehnliches“ Objekt bestaunen können, andererseits ist unser Ziel, die Objekte über einen möglichst langen Zeitraum zu erhalten.

Um auf den Ofen zurückzukommen: Vor der Restaurierung sah die Oberfläche wegen der Korrosion eher matt und rötlich aus, nach der Restaurierung zeigt sich hier ein seidig glänzendes Grau. Dennoch sind Spuren der Benutzung, von Reparaturen und Pflegemaßnahmen zu sehen.

Wie verläuft der Prozess des Restaurierens? Wie fängt man an?

Friedrich Trier: Der Prozess des Restaurierens erfolgt eigentlich bei jeder Materialart gleich: Zunächst verschaffen wir uns einen Überblick über den Zustand des Objekts und halten diesen in einer Dokumentation fest. Nachdem lose aufliegender Staub und Schmutz vorsichtig entfernt wurden, überlegen wir, welche Methoden am besten geeignet sind, um den Zustand der Verschmutzung, der Korrosion und der Schäden zu verbessern. Wir probieren das meist direkt an Probeflächen am Objekt aus. Es gibt erprobte Standardmethoden, die meistens auch gut funktionieren. Ansonsten, bei Überraschungen, wählen wir einfach eine andere Methode. Je mehr Restaurierungserfahrung vorhanden ist, desto eher wissen wir, was wir anwenden dürfen und was nicht. Ständig kommt neues Wissen dazu, zum Beispiel auch durch junge Kollegen, die frisch von der Uni kommen. Bei relativ neuen Materialarten in der Restaurierung, wie zum Beispiel den Kunststoffen, gibt es noch wenig Wissen über die richtige Restaurierungs- und Konservierungsmethodik. Hier müssen wir dann auch mal nachlesen, welche Methode sich am ehesten eignet. Durch eine falsche Behandlung kann sich möglicherweise die chemische Struktur des Kunstoffs verändern und zu schnellerem Zerfall führen, weshalb wir Kunststoffobjekte im musealen Kontext auch häufig nur vorsichtig reinigen.

Wie hat es Sie als Metallrestaurator ins Museum verschlagen?

Friedrich Trier: Naja, ausgestellt bin ich ja noch nicht… (lacht). Da mein Vater Archäologe ist, gehörten Museumsbesuche als Selbstverständlichkeit zu meiner Kindheit dazu. Vor meinem Schulabschluss zeigte er mir auch die Restaurierungswerkstatt des archäologischen Landesmuseums in Münster. Was ich dort sah, hat mich begeistert. Es folgte eine Ausbildung zum Feinmechaniker mit dem Ziel, eine Ausbildung zum Archäologischen Restaurator am Römisch-Germanischen-Zentralmuseum in Mainz zu absolvieren. Danach habe ich ein Jahr in Dänemark an einem Zentrum für Restaurierung gearbeitet und bin jetzt seit 1993 bei der MHK zuständig für die Restaurierung von Metallobjekten.

Julia Fondis: Ich hatte schon immer ein Interesse an Museen, vor allem aber an den Objekten direkt und fand es schade, dass sie für mich unerreichbar in den Vitrinen verschlossen waren. Mein Interesse am Beruf der Restauratorin hat dann schließlich die Besichtigung der Restaurierungswerkstätten des Museums für Ur- und Frühgeschichte in Weimar geweckt. Jedes Jahr bei der Langen Nacht der Museen bin ich in die Werkstätten gegangen und habe mir die Objekte und die Arbeitsweisen der Restauratoren angeschaut.

Nach einem Vorpraktikum dort habe ich dann schließlich den Bachelor-Studiengang Konservierung und Restaurierung an der FH Erfurt absolviert. Der Schwerpunkt im Studium lag auf archäologischem Kunstgut und Kunsthandwerklichen Objekten. Seit Juni bin ich nun Volontärin bei der MHK.

Gibt es Lieblingsobjekte, die Sie gerne mal restaurieren würden?

Julia Fondis: Ich mag eigentlich alles, was glänzt, also vornehmlich Metall- und Kunstkammerobjekte. Was mich reizen würde, ist die Restaurierung einer Leichenkutsche, da ich sie als Objekt historischer Todeskultur spannend finde.

Friedrich Trier: Das ist jetzt zwar kein Beispiel für eine Restaurierung, aber ein Stück aus der Sammlung des Astronomisch-Physikalischen Kabinetts liegt mir besonders am Herzen. Es ist das Luftfernrohr (datiert 1684) von Giuseppe Campani. Es besteht aus einem Objektiv mit einer Brennweite von ungefähr 34 Metern und einem Okularsystem, dessen Linsen heute leider fehlen. Es hat keinen Tubus, sondern nur Luft zwischen den beiden Linsensystemen. Die Linse hat eine spannende Geschichte, die lange nicht bekannt war. Zunächst wurde sie Ludwig XIV. zum Kauf angeboten, dem sie aber zu teuer war. Später hat sie dann Landgraf Carl auf einer seiner Reisen in Rom gekauft und mit nach Kassel gebracht. Unter Landgraf Friedrich II. wurde versucht, das Luftfernrohr funktionsfähig einzurichten, was enorme Schwierigkeiten bereitete, sowohl mechanische aber auch optische. Das Besondere daran: die Linse ist durch die Schrumpfung der Linsenfassung verbogen und wäre in ihrem jetzigen Zustand nicht funktionstüchtig. Die Frage ist, ob sie es jemals war oder ob vielleicht schon der Astronom von Ludwig XIV. diesen Fehler entdeckt hatte und die Linse daher nicht gekauft wurde…

Luftfernrohr: Vorne der Rest des Okulars mit der Augenmuschel und dem Schraubdeckel. Dahinter die durch Pappringe stark abgeblendete Objektivlinse in einer kurzen Fassung aus mehrschichtig verklebtem Karton und Marmorpapier. Daneben der Behälter aus lederbezogenem Buchenholz.

Luftfernrohr: Vorne der Rest des Okulars mit der Augenmuschel und dem Schraubdeckel. Dahinter die durch Pappringe stark abgeblendete Objektivlinse in einer kurzen Fassung aus mehrschichtig verklebtem Karton und Marmorpapier. Daneben der Behälter aus lederbezogenem Buchenholz.

Wieso sollten Besucher ins Hessische Landesmuseum kommen?

Friedrich Trier, Julia Fondis: Die Besucherinnen und Besucher sollten sich unbedingt das Hessische Landesmuseum in Kassel ansehen, weil dies das einzige in Hessen ist, welches tatsächlich auch die Landes- und Kulturgeschichte von (Nord-)Hessen erzählt.

Mit welchen drei Schlagwörtern würden Sie das HLM beschreiben?

Friedrich Trier: Probleme – Probleme – Probleme (lacht), aber auch Lösungen – Lösungen – Lösungen. Im Ernst: Die Neueinrichtung eines so großen Hauses bedeutet natürlich viel Arbeit. Aber wir freuen uns auch schon sehr auf die spannende Zeit der Einrichtung. Das ist eine ganz besondere, lebendige Zeit, die zwar viel Energie kostet, aber auch genauso viel Adrenalin ausschüttet. Und es ist natürlich toll, hinterher das Ergebnis der gemeinsamen Arbeit zu sehen.

Julia Fondis: Ich bin ja momentan noch dabei, mich in das Projekt einzuarbeiten. Aber besonders positiv habe ich bisher die Instandsetzung der Architektur des Hauses erlebt, dass es viele Rückbauten gibt, wie zum Beispiel die Durchbrüche im Antikensaal, um sich wieder dem baulichen Zustand von 1913 anzunähern. Als Berufseinsteigerin freue ich mich auch auf den Umzug und die Einbringung der Exponate in die Vitrinen. Alleine die Anzahl der Objekte ist eine Dimension, die ich bisher noch nicht miterlebt habe.

Liebe Frau Fondis, lieber Herr Trier, vielen Dank für den Einblick in Ihre Arbeit.

Das Gespräch führte Almuth Kölsch.

2 Gedanken zu „… nicht alles Gold was glänzt – ein Besuch in der Metallrestaurierung

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