Julia Dummer: Restauratorin für Textilien und Objekte aus Leder

Julia Dummer ist seit 2001 Restauratorin bei der MHK. Sie befasst sich mit Textilien und Objekten aus Leder, darunter auch die hessischen Trachten der Sammlung Volkskunde, die in unserem Blog bereits vorgestellt wurden. In einem Interview gibt uns Frau Dummer Einblicke in ihr Arbeitsfeld und erzählt, wie sie zur Restaurierung kam.

Julia Dummer_kleine Datei

Liebe Frau Dummer, vielen Dank, dass Sie sich Zeit für dieses kleine Interview nehmen. Wovon halte ich Sie gerade ab?

Im Moment bereite ich eine Gruppe von Kleidern für den Fotografen vor. Sie stammen aus dem 19. und aus der Mitte des 20. Jahrhunderts und sollen im Ausstellungsbereich Volkskunde im Hessischen Landesmuseum präsentiert werden.

Sie sind Diplom-Restauratorin für Textilien und Objekte aus Leder. Worin liegt das Besondere Ihres Arbeitsfeldes?

In der Vielfalt der Materialien und textilen Techniken, auch in der Vielfalt der zu bearbeitenden Objekte. So werden immer wieder ganz unterschiedliche Anforderungen an meine Kenntnisse als Restauratorin gestellt. Kostüme und Trachten, Uniformen, ethnologische Objekte, Raumausstattungen wie Tapisserien, Wandbespannungen und Polsterbezüge, archäologische Fragmente, Beuys Filze aus der Moderne und nicht zu vergessen die wunderbaren Goldledertapeten aus dem Tapetenmuseum fallen in meine Zuständigkeit. Dabei sind Textilien und auch Lederobjekte sehr empfindlich gegenüber stark schwankendem Klima, Fraßschädlingen und einem groben Umgang, also mechanischer Schädigung – um nur einige der Schadensfaktoren zu nennen. Textilien müssen daher mit großer Sorgfalt behandelt und umsichtig gelagert werden.

Welche Aufgaben haben Sie im Rahmen der Neueinrichtung des Hessischen Landesmuseums?

Ich bin vor allem mit den Kostümen und Trachten beschäftigt, die in der neuen Dauerausstellung zu sehen sein werden, helfe also bei der Auswahl der Kleider, untersuche sie auf Vollständigkeit und Schäden, restauriere sie wenn nötig und begleite die Herstellung und Anpassung der Figurinen. Auf den Figurinen werden die Kostüme in der Ausstellung präsentiert. Sie müssen genau zur Form der Kleidungsstücke passen. Zum Schluss werden die Figurinen angezogen und im Fotoatelier für den Ausstellungskatalog fotografiert. Dann ist alles bereit für die Verpackung und den Transport ins neue Museum.

Wie sind Sie Restauratorin geworden?

Nach der Schule habe ich eine Schneiderlehre gemacht und bin dann über ein Praktikum zur Restaurierung gekommen. Aus dem Praktikum wurde ein dreijähriges Vorpraktikum in Köln, Hamburg, Lyon und Basel – eine Voraussetzung für die Zulassung zum Studiengang Restaurierung und Konservierung. Studiert habe ich dann in Köln.

Erinnern Sie sich noch an Ihren ersten Museumsbesuch?

Das war wahrscheinlich ein Familienbesuch im Museum des Bergischen Landes im Schloss Burg bei Köln. Aus der dortigen Sammlung stammt auch das erste Objekt, dass ich restauriert habe: ein bäuerlicher Wetterschirm aus der Mitte des 19. Jahrhunderts.

Wie würden Sie die neue Dauerausstellung im Hessischen Landesmuseum in Kassel mit drei Schlagworten beschreiben?

spannend – modern – neugierig machend.

Was meinen Sie, warum sollten Besucher die neue Dauerausstellung des Hessischen Landesmuseums in Kassel sehen?

Die Nordhessen und die Kasseler, weil sie hier mehr über ihre Heimat erfahren, und die, die zu Gast in Nordhessen sind, weil sie dann sehen, was für spannende Kulturgüter und Geschichten es hier gibt.

Frau Dummer, vielen Dank für das Interview.

Die Fragen stellte Andreas Sattler

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