Marketing macht’s möglich

Bei der Wiedereröffnung des Hessischen Landesmuseums darf eine Sache unter keinen Umständen fehlen: das Marketing. Das Projekt muss schließlich beworben und an die Öffentlichkeit herangetragen werden. Doch was bedeutet das? Wie wird eine Kampagne konzipiert? Welche Kommunikationsmaßnahmen kommen zum Einsatz? Diesen und vielen weitere Fragen hat sich die Leiterin der Marketing-Abteilung, Cornelia Ziegler, in einem persönlichen Gespräch gestellt.

Cornelia Ziegler

1.    Liebe Frau Ziegler, vielen Dank, dass Sie uns heute einen Einblick in Ihre Arbeit gewähren. Als Einstieg würde uns interessieren, für welche Aufgaben Sie als Leiterin der Marketing-Abteilung verantwortlich sind.

Mein Arbeitsgebiet ist sehr breitgefächert. Ein Schwerpunkt liegt auf dem strategischen Marketing und den damit einhergehenden konzeptionellen Aufgabenstellungen. Dazu zählt auch die Entwicklung, Planung und Umsetzung von Kampagnen wie etwa für das Hessische Landesmuseum sowie das Ausstellungsmarketing. Das ist aber längst nicht alles. Im Marketing betreue ich auch die verschiedenen Museumsshops inklusive des neuen Online-Shops sowie die beiden Besucherzentren der MHK und wähle hier zum Beispiel neue Produkte aus. Außerdem bin ich für die Anzeigenschaltung und die Erstellung von Mediaplänen zuständig. Eine weitere Aufgabe ist die Besucherforschung, die bei uns hauptsächlich auf Befragungen basiert und aus denen wir immer wieder neue interessante Erkenntnisse ableiten können. Kooperationen gehören ebenfalls in mein Tätigkeitsfeld: Wir arbeiten zum Beispiel ganz eng mit Kassel Marketing und weiteren Tourismuspartnern zusammen. Und dann gibt es ja auch noch den Bergpark Wilhelmshöhe, der seit der Ernennung zum UNESCO-Weltkulturerbe besondere Aufmerksamkeit erfährt. Und noch viel, viel mehr…

 2.    Was gefällt Ihnen an Ihrer Tätigkeit am besten?

Mir gefällt vor allem, dass ich so ein abwechslungsreiches Aufgabenspektrum habe. Kein Tag gleicht dem anderen, und es kommen zum Beispiel durch die vielen Sonderausstellungen immer wieder neue interessante Themen auf mich zu. Aber auch die MHK als Kulturinstitution an sich finde ich sehr spannend und bereichernd, weil sie so vielseitig ist und ich für ganz viele Liegenschaften das Marketing machen darf – sei es für den Bergpark mit den Wasserspielen, das Rokokoschloss Wilhelmsthal oder eben das Hessische Landesmuseum. Dadurch komme ich auch mit sehr vielen verschiedenen Personen in Kontakt. Und dass sich mein Büro auch noch im Schloss Wilhelmshöhe befindet, ist natürlich die Krönung.

3.    Welchen Berufswunsch hatten Sie als Kind?

Ich war schon immer sehr kreativ, und das ist im Marketing sehr wichtig, vor allem wenn es darum geht, innovative Kommunikationsmaßnahmen zu entwickeln. Als Kind habe ich zum Beispiel gern gemalt. Als ich älter wurde, hätte ich mir vieles vorstellen können. So habe ich zum Beispiel vor meinem Studium eine Ausbildung zur Erzieherin gemacht und war für ein Jahr als Kindermädchen in London. Dort habe ich dann die Welt der Kunst und Kultur für mich entdeckt und nach einem Praktikum in einem kleinen Museum habe ich diesen Weg weiter verfolgt. Dass es dann letztendlich das Marketing geworden ist, hat sich erst im Laufe meines Studiums ergeben.

 4.    Wie sind Sie letztendlich bei der MHK gelandet?

Die Stelle im Marketing war damals in der ZEIT ausgeschrieben und hat mich sofort angesprochen, denn es war genau das, was ich machen wollte. Ich habe mich dann einfach beworben und schließlich den Job bekommen. Das ist jetzt fünf Jahre her.

 5.    Die Wiedereröffnung des Hessischen Landesmuseum ist zurzeit sicherlich eines Ihrer größten Projekte. Wie gehen Sie hierbei vor? Wie entwickelt man eine gute Kampagne? Was muss man dabei berücksichtigen?

Wie ich schon vorhin erwähnt habe, gehört die Kampagnenentwicklung zum strategischen Marketing und nimmt einen großen Stellenwert in der Kommunikation ein. Man geht dabei sehr konzeptionell vor, das heißt man legt zunächst Ziele und Zielgruppen fest und schaut, welche Anforderungen erfüllt werden sollten. Daraus entwickelt man dann eine Idee, um anschließend ein Konzept zu erarbeiten. Dieses wird dann letztendlich durch verschiedenste Marketing-Maßnahmen umgesetzt. Wichtig ist, dass die Kampagne die definierten Zielgruppen anspricht und nicht am Besucher vorbeigeht. Das ist das A und O einer guten Kampagne. Zudem spielt aber auch die ästhetische Gestaltung eine große Rolle, und das Konzept muss sich in das Gesamterscheinungsbild der MHK einfügen. Und natürlich sollte die Kampagne auch Neugierde wecken und Lust auf die Wiedereröffnung machen.

6.    Welche Marketinginstrumente werden für die Bewerbung eingesetzt?

Wie bei anderen Kampagnen auch werden zum einen klassische Marketing-Maßnahmen eingesetzt, wie etwa Plakate, Flyer, Banner, CityCards und Anzeigen, die verteilt bzw. platziert werden. Darüber hinaus haben wir uns auch ein paar außergewöhnliche, innovative Maßnahmen überlegt.

7.    Wie viel Zeit muss man üblicherweise für eine Kampagne  einplanen?

Das kann man so pauschal gar nicht sagen: Je nach Projekt dauert es mal länger und mal weniger lang. Aber grundsätzlich benötigt man für eine gute Kampagne schon eine lange Vorlaufzeit – besonders auch im Hinblick auf Kooperationen, die frühzeitig geplant und entwickelt werden müssen. Perfekt sind etwa zwei Jahre, aber dies ist leider aufgrund der anderen vielen Aufgaben und knapper Zeit nur schwer bei allen Projekten möglich.

 8.    Kümmern Sie sich allein um die Entwicklung und Umsetzung der Kampagne oder haben Sie Unterstützung?

Allein würde ich dieses Projekt gar nicht bewältigen können. Bei Kampagnen arbeitet mein Team eng mit der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit zusammen. Wir machen gemeinsam Brainstorming und entwickeln das Konzept zusammen, denn das strategische Marketing und die Kommunikation gehen Hand in Hand. Zudem werden natürlich auch noch weitere Kolleginnen und Kollegen miteinbezogen. Ganz wichtig sind etwa die drei Sammlungsleiterinnen und der Projektmanager des Hessischen Landesmuseums, die uns vor allem inhaltlich unterstützen. Die Gestaltung übernimmt eine Grafikerin aus Kassel. Und so kommen ganz viele Leute zusammen, mit denen die Kampagne entsteht und umgesetzt wird.

 9.    Wie wir von Ihnen zu Beginn erfahren haben, betreuen Sie auch die Museumsshops. Was werden die Besucher im Hessischen Landesmuseum als Erinnerung kaufen können? Eine Kopie des Original Rührfix?

Wir werden eine breite Produktpalette im Shop anbieten. Wichtig ist dabei immer der Bezug zum Haus, die Artikel müssen inhaltlich passen. Die Besucher werden als Erinnerung unter anderem Postkarten und Publikationen erwerben können sowie Dinge, die wir bereits im Bestand haben. Aber wir entwickeln auch ganz neue Produkte. Wir haben uns zum Beispiel überlegt, vielleicht eine Ausstechform in Form eines Mammuts zu verkaufen – solche Sachen kommen vor allem bei Kindern gut an. Ob wir den beliebten Rührfix ins Sortiment aufnehmen, bleibt vorerst ein Geheimnis. Ein bisschen Überraschung muss sein!

10.  Was macht Ihnen an der Wiedereröffnung des Hessischen Landesmuseum besonders Spaß und welche Aufgaben finden Sie am spannendsten?

Die konzeptionelle Arbeit gefällt mir am besten. Ich liebe es, Strategien zu entwickeln und kreative, innovative Ideen umzusetzen. Dabei schaue ich auch gern mal über den Tellerrand hinaus. Am HLM finde ich besonders spannend, dass ich eine Kampagne für ein komplett neu konzipiertes Museum betreuen darf. Das ist schon eine große Ehre für mich, denn so etwas erlebt man nicht jeden Tag!

Herzlichen Dank, liebe Frau Ziegler, dass Sie sich Zeit genommen und von Ihrer Arbeit berichtet haben!

 Das Interview führte Susann Elsner.

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