Weihnachten im Jahr 1491

Es war der Weihnachtstag des Jahres 1491, als Papst Innozenz VIII. dem von einer Pilgerreise aus dem Heiligen Land heimkehrenden Landgrafen Wilhelm I. von Hessen in Rom ein kostbares Prunkschwert und einen perlenbestickten Hut überreichte. Mit diesen geweihten Kleinodien war dem hessischen Landgrafen die höchste päpstliche Auszeichnung zuteil geworden. Der Hut ist verloren, doch hat sich das mächtige Schwert bis heute in Kassel erhalten.

Papstschwert Wilhelms I., 1490  Hieronymus von Sutri Silber, vergoldet, Email, Stahl Rom

Papstschwert Wilhelms I., 1490
Hieronymus von Sutri
Silber, vergoldet, Email, Stahl
Rom

Die schwere Prunkwaffe gehört zu den bedeutendsten Goldschmiedearbeiten der italienischen Hochrenaissance. Griff und Scheide des fast 1,40 m langen Schwertes sind aus vergoldetem Silber gearbeitet, die Stahlklinge ist mit vergoldeten Gravuren reich verziert.

Vor allem aber ist die Scheide ein Meisterwerk der Gold- und Silberschmiedekunst. Aus Silber als durchbrochenes Rankenwerk gearbeitet, vergoldet und mit rotem Samt gefüttert, schmücken gravierte und emaillierte Medaillons die Scheide. Sie zeigen das Pontifikatswappen des Papstes und weisen es, wie auch die lateinische Inschrift auf der Parierstange des Schwertes, als Gabe Innozenz VIII. aus.

Landgraf Wilhelm I. wurde mit diesem Geschenk in einen erlauchten Kreis von Würdenträgern aufgenommen. So waren vor ihm etwa der Doge von Venedig, Francesco Foscari (1449), Ludwig XI. von Frankreich (1461) und Matthias Corvinius, König von Ungarn (1470), mit einem solchen Schwert ausgezeichnet worden. Nach Wilhelm I. von Kassel waren Papstschwerter auch an Kaiser Maximilian I. (1509) und Heinrich VIII., König von England (1514) gegangen.

Seit spätestens 1389 wurden Schwert und Hut während des Gottesdienstes am 25. Dezember durch den amtierenden Papst verliehen. Hielt sich der auserwählte Empfänger während des Friedensfestes nicht in Rom auf, wurden ihm die geweihten Insignien durch päpstliche Boten überbracht. Das Papstschwert war dabei Auszeichnung und gleichzeitig Aufforderung, die Waffe als „Verteidiger des christlichen Glaubens“ anzunehmen. Die hessischen Landgrafen erweiterten als Nachfahren der heiligen Elisabeth von Thüringen diese Aufforderung jedoch um den Zusatz „und zum Schutz der Armen“.

Auch dieses ungewöhnliche „Weihnachtsgeschenk“ werden Sie in der neuen Dauerausstellung des Hessischen Landesmuseum bestaunen können, wo das eine oder andere Geheimnis seiner Geschichte noch für Sie gelüftet werden wird. Bis dahin wünscht Ihnen das Blog-Team des HLM fröhliche Weihnachten und einen guten Rutsch ins neue Jahr.

 

Autorin: Stefanie Cossalter-Dallmann

 

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