Interview mit Anne Becker: Restauratorin für Kunsthandwerk

Die Restauratoren und Restauratorinnen der Museumslandschaft Hessen Kassel sorgen nicht nur dafür, dass sich die Objekte den Besuchern im Museum von ihrer besten Seite zeigen können. Sie entschlüsseln auch historische Herstellungs- und Bearbeitungsmethoden, erforschen alte Materialien und erhalten die Sammlungsstücke für nachfolgende Generationen.  Zu ihnen zählt Frau Anne Becker, die seit November 2000 als Restauratorin für Kunsthandwerk bei der MHK tätig ist. Wie sie nach Ihrem Studium der Restaurierung archäologischer, kunsthandwerklicher und volks- und völkerkundlicher Objekte in Stuttgart schließlich nach Kassel kam, verrät sie uns in einem Interview in ihrer Restaurierungswerkstatt.

Diplomrestauratorin Anne Becker in ihrer Werkstatt

Diplomrestauratorin Anne Becker in ihrer Werkstatt

Liebe Frau Becker, vielen Dank, dass Sie sich Zeit für dieses Interview nehmen. Wovon halte ich Sie gerade ab?

Gerade bin ich mit der Fertigstellung zweier Kerzenleuchter und mehrerer Koppchen eines Achatservices und eines Bergkristallpokals mit sehr aufwendigem Emailedekor für die neue Dauerausstellung des Hessischen Landesmuseums beschäftigt.

Sie sind Diplom-Restauratorin für Kunsthandwerk. Welche Aufgaben haben Sie im Rahmen der Neueinrichtung des Hessischen Landesmuseums und worin liegt das Besondere Ihres Arbeitsfeldes?

Als Restauratorin für Kunsthandwerk bin ich in erster Linie für die Sammlungen Angewandte Kunst und Volkskunde zuständig und damit hauptsächlich für die Materialien Keramik, Porzellan, Edelmetalle, Glas, Elfenbein, Straußeneier, Perlmutt, Horn, Wachs und Bernstein. Das Besondere dabei sind vor allem die vielfältigen Materialkombinationen. Besonders spannend sind für mich Verbindungen von organischen und anorganischen Stoffen, die den Restaurator oft vor große Herausforderungen stellen.

Wie sind Sie Restauratorin geworden?

Dass ich Restauratorin werden wollte, wusste ich sehr früh. Schon als Kind wollte ich wissen, wie die Objekte ins Museum kommen. Aber es war ein langer Weg. Nach der Schule habe ich  zuerst eine Lehre zur Keramikerin gemacht. Danach kam die Frage, ob ich eine museumsinterne Ausbildung oder einen Diplomabschluss an der Universität machen soll. Entschlossen habe ich mich für den Diplomstudiengang  Restaurierung archäologischer, kunsthandwerklicher und volks- und völkerkundlicher Objekte an der Universität Stuttgart. Nach dem Studium folgten ein zweijähriges Praktikum am Hessischen Landesmuseum in Kassel und nochmal zwei Jahre Praktikum am Bergbaumuseum in Bochum. Schließlich war ich vier Jahre selbstständig, bevor ich im November 2000 zur MHK kam.

 Erinnern Sie sich noch an Ihren ersten Museumsbesuch?

Nein, aber daran, dass ich schon damals beeindruckt war von der Kunstfertigkeit der Alltagsgegenstände, der Verzierung von Schmuck und Waffen und deren Formen- und Materialvielfalt.

Welchen Berufswunsch hatten Sie mit fünf Jahren? Oder wussten Sie schon, dass Sie Restauratorin werden möchten?

Den Berufswunsch gab es tatsächlich schon sehr früh, aber mit fünf Jahren wollte ich Tierpflegerin oder Pferdewirtin werden. (lacht) Nach dem Abitur habe ich dann den langen Ausbildungsweg zur Restauratorin eingeschlagen.

Wie würden Sie die neue Dauerausstellung im Hessischen Landesmuseum in Kassel mit drei Schlagworten beschreiben?

neugierig machend – spannend – Geschichte vermittelnd

Was meinen Sie, warum sollten Besucher die neue Dauerausstellung des Hessischen Landesmuseums in Kassel sehen?

Um etwas über die Entwicklung Nordhessens und seine Geschichte zu erfahren, die so noch nie gezeigt wurde.

Wenn Sie ein Exponat aus der neuen Dauerausstellung sein könnten, welches wären Sie dann gerne?

(lacht und überlegt) Natürlich gibt es verschiedene Objekte, die mir sehr gefallen. Auf jeden Fall wäre ich eines, das aus mehreren Materialien besteht … (überlegt wieder) … Elfenbein sollte dabei sein … (überlegt weiter) … ich kann es nicht sagen, es gibt einfach so viele faszinierende Stücke!

Liebe Frau Becker, herzlichen Dank für das interessante Gespräch.

 


Das Interview führte Stefanie Cossalter-Dallmann.

 

 

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