Interview mit Carola Klinzmann: Restauratorin für Möbel und Holzobjekte

Hinter den Kulissen der Museumslandschaft Hessen Kassel sind die Restauratorinnen und Restauratoren eifrig dabei, die Ausstellungsstücke für die neue Dauerausstellung im Landesmuseum vorzubereiten. Eine von ihnen ist Carola Klinzmann, Diplom-Restauratorin für Möbel und Holzobjekte, und seit 1999 in Kassel tätig. Einen kleinen Einblick in ihre Arbeit gewährt sie uns in einem Interview in ihrer Restaurierungswerkstatt.

Diplom-Restauratorin Carola Klinzmann in ihrer Werkstatt

Diplom-Restauratorin Carola Klinzmann in ihrer Werkstatt

Liebe Frau Klinzmann, vielen Dank, dass Sie sich Zeit für dieses Interview nehmen. Wovon halte ich Sie gerade ab?

Gerade bin ich mit den Untersuchungen des Zustandes und der Materialien einer Prunkgarnitur für die neue Dauerausstellung des Hessischen Landesmuseums beschäftigt. So sind in das geschnitzte und polimentvergoldete Holz dieses Möbelensembles geschliffene Glassteine mit unterschiedlichen farbigen Untergründen eingesetzt worden. Viele der Steine sind verloren gegangen, doch kann Anhand der Reste des Untergrundes die ehemalige farbliche Wirkung festgestellt werden.

Sie sind Diplom-Restauratorin für Möbel und Holzobjekte. Welche Aufgaben haben Sie im Rahmen der Neueinrichtung des Hessischen Landesmuseums und worin liegt das Besondere Ihres Arbeitsfeldes?

Meine Aufgabe ist es, die Möbel und Holzobjekte für die Ausstellung vorzubereiten. Das betrifft besonders die Objekte aus der Sammlung Volkskunde, da viele der Stücke zuvor noch nicht gezeigt bzw. nicht untersucht worden sind, wie z.B. die sogenannte Schwälmer Stube. Dabei handelt es sich um die Inszenierung einer Wohn- und Schlafstube, deren Möbel und Einrichtungsgegenstände 1913 für das Hessische Landesmuseum zusammengetragen worden sind. Einige der Möbel wurden dafür extra umgebaut. Im Laufe der Jahre wurde etwa eine lange Bank durchgesägt, um sie in einer Neupräsentation der 50er Jahre als Eckbank stellen zu können. Bearbeitungsspuren und alte Fotos belegen diese Veränderung, aber dass man damals so rigoros vorgegangen ist, hätten wir nicht gedacht. Das würde man heute auf keinen Fall mehr machen.

Besonders interessant ist für mich die Restaurierung von Möbeln wie der schon genannten Prunkgarnitur, die ich seit 17 Jahren kenne und für die neue Dauerausstellung nun eingehend untersuche und bearbeite. Vor allem freue ich mich aber auch über die Restaurierung von Objekten, die bislang nicht ausgestellt werden konnten, da ihr Zustand einfach zu schlecht war.

Wie sind Sie Restauratorin geworden?

Der Tipp, Restauratorin zu werden, kam von der Chefin meiner Mutter. Sie hatte gemerkt, dass ich Freude an alten Dingen hatte, doch war es damals noch sehr schwierig, Restauratorin zu werden, und Informationen zu diesem Berufsweg gab es kaum. Als erstes galt es, eine handwerkliche Lehre zu machen und so habe ich eine dreijährige Tischlerlehre absolviert. Danach habe ich ein Jahr Praktikum in einer privaten Restaurierungswerkstatt gemacht – ohne Bezahlung. Aber dafür war dieses Praktikum mein Türöffner für mein dreijähriges Vorpraktikum im Museum für Kunst und Gewerbe in Hamburg. Danach habe ich an der FH Köln studiert und war nach meinem Diplomabschluss 1997 zunächst zwei Jahre freiberuflich tätig. Seit 1999 bin ich nun bei der Museumslandschaft Hessen Kassel.

Erinnern Sie sich noch an Ihren ersten Museumsbesuch?

(lacht) Nein.

Welchen Berufswunsch hatten Sie mit fünf Jahren? Oder wussten Sie schon, dass Sie Restauratorin werden möchten?

Was ich mit fünf Jahren werden wollte, weiß ich nicht mehr. Irgendwann wollte ich Innenarchitektin werden, aber da war ich wohl schon älter als fünf Jahre.

Wie würden Sie die neue Dauerausstellung im Hessischen Landesmuseum in Kassel mit drei Schlagworten beschreiben?

toll – interessant – neu

Was meinen Sie, warum sollten Besucher die neue Dauerausstellung des Hessischen Landesmuseums in Kassel sehen?

Ich glaube, dass die Besucher sehr viel Neues erfahren werden – über ihre Umgebung, das Land Hessen und vielleicht sogar über ihr eigenes Leben.

Vor allem die Kasseler werden sicher von den Objekten begeistert sein, die lange nicht mehr zu sehen waren und nun wieder aus dem Depot geholt werden. Auch das Gebäude selbst wird mit seinen Details beeindrucken, die nach der umfassenden Sanierung wieder voll zur Geltung kommen.

Wenn Sie ein Exponat aus der neuen Dauerausstellung sein könnten, welches wären Sie dann gerne?

(lacht und überlegt) Vielleicht der Wäscheschrank von Richard Riemerschmid. Der ist schlicht und groß, aus einfachem Holz und trotzdem schön – der spricht für sich.

Wäscheschrank von Richard Riemerschmid, 1898,  Kiefernholz und Schmiedeeisen, München

Wäscheschrank von Richard Riemerschmid, 1898,
Kiefernholz und Schmiedeeisen,
München

 

Das Interview führte Stefanie Cossalter-Dallmann.

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