„Wundervoll ist Bacchus Gabe,…“ Der Tafelbrunnen mit Neptun und Bacchus

Der Alkoholgenuss in geselliger Runde hatte in der frühen Neuzeit eine zentrale Bedeutung. Besonders bei Festen und Gelagen wurde das gemeinschaftliche Trinken zelebriert. Die fürstlichen Tafeln und Buffets waren dabei stets mit möglichst prunkvoll und aufwendig gestalteten Trinkgerätschaften gedeckt. Sehr eindrucksvoll veranschaulicht diesen Brauch der Tafelbrunnen mit Neptun und Bacchus, der ab Dezember 2016 wieder in der neuen Dauerausstellung des Hessischen Landesmuseums in Kassel zu sehen sein wird.

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Tafelbrunnen mit Neptun und Bacchus, um 1652/53, Melchior I Gelb, Silber, teilvergoldet und Silberblech, Augsburg.

Der Augsburger Goldschmied Melchior I Gelb schuf 1652/53 das imposante Gefäß. Heute zählt es zu den herausragendsten Silberschmiedekunstwerken des deutschen Frühbarocks.

Der Tafelbrunnen diente dem Mischen von Wein und Wasser, was auch die aufwendig ausgearbeiteten Figuren zeigen: Die große, wellenartig gestaltete Schale kann mit Wasser gefüllt werden und repräsentiert dabei stellvertretend das Element Wasser, welches der Meeresgott Neptun unter großer Anstrengung auf seinen Schultern trägt. In der Schale selbst kniet eine doppelschwänzige und geflügelte Nymphe auf einem Hummer. Mit ihrem Kopf stützt sie ihrerseits ein Fass, auf dem Bacchus – der Gott des Weines – breitbeinig thront. Dieser balanciert wiederum eine mit Trauben gefüllte Bütte auf seinem Kopf. Um die Getränke miteinander zu mischen, konnte der Wein in die Bütte gefüllt werden, lief dann durch die hohl gearbeitete Bacchus-Figur in das Fass und wurde so über den dort angebrachten Hahn in die Wasserschale gelassen. Ein Ausguss im vorderen Bereich der Schale erleichterte schließlich das Eingießen des verdünnten Weins in die Trinkbecher der Tafelgäste.

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Blick in die Schale.

Melchior I Gelb war ein Spezialist für die Anfertigung solcher Tafelbrunnen. Aus seiner Werkstatt haben sich drei weitere, fast identische Gefäße erhalten. Diese werden heute in Moskau, St. Petersburg und Wien aufbewahrt.

Wie der Tafelbrunnen in den Besitz der Landgrafen von Hessen-Kassel gelangte, kann nicht eindeutig beantwortet werden. Möglicherweise stammt er aus dem Erbe von Graf Friedrich Casimir von Hanau (reg. 1647–1685), dessen Territorium 1736 an das Haus Hessen-Kassel fiel. 1779 wurde das Gefäß erstmalig im Museum  Fridericianum in Kassel ausgestellt.

Autorin: Lena Hoppe

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