Von Talglichtern und Kienspänen

KerzeSpätestens seit der Zeitumstellung ist es nicht länger zu leugnen: Mit dem Herbst ist auch die dunkle Jahreszeit angebrochen. Viele werden die langen Sommerabende vermissen. Manch einer freut sich aber auch auf die Adventszeit mit ihren hell erleuchteten Weihnachtsmärkten. Und selbst die Sommerliebhaber müssen zugeben, dass Winterabende bei Kerzenlicht ihren Reiz haben. Die damit verbundene schummrige Beleuchtung ist heute vor allem eine nette Abwechslung; für die Menschen der Vorgeschichte war sie jedoch der Normalzustand. Sobald es draußen dämmerte, mussten die meisten Arbeiten eingestellt werden. Im dunklen Wald lässt sich nichts sammeln, niemand kann am Haus bauen oder Fische fangen, und selbst einen Gang ins nächste Dorf wird man sicher nur ungern auf sich genommen haben. Weiterlesen

Vom Himmel gefallen: die Regenbogenschüsselchen

Goldener Dreiwirbelstater aus Mardorf.

Goldener Dreiwirbelstater aus Mardorf.

… dass diese Schüsselchen von Kraft der Sonne durch Wirkung influentischer, natürlicher und elementischer Kraft, wenn die Sonne den Regenbogen bescheinet, IN PUNCTO der Zusammenkunft der Sonnenstralen und des Regenbogens gehling erschaffen und also geformiret werden, und hernach herabfallen,[1] würde man heute sicher nicht mehr glauben. Dennoch handelt es sich hier um einen ernst gemeinten Versuch, das Vorkommen der Regenbogenschüsselchen zu erklären. Leonhard Thurneisser (1531-1596), Leibarzt des brandenburgischen Kurfürsten, hat ihn uns aus dem 16. Jahrhundert überliefert, und vielleicht sind Ihnen die Regenbogenschüsselchen ja selber aus Erzählungen bekannt. Weiterlesen

Herbstzeit-Sammelzeit

In den letzten Wochen trifft man bei Spaziergängen im Wald immer wieder Menschen, die sich abseits der Wege durchs Dickicht schlagen. Meist haben sie Körbe oder Taschen dabei, und ganz bestimmt ist den wenigsten dieser Pilzliebhaber klar, dass sie sich gerade auf den Spuren mittelsteinzeitlicher Jäger und Sammler bewegen. Denn genau wie diese, vor rund 9000 Jahren, nutzen sie das herbstliche Pilzwachstum im Wald, um ihren Speisezettel zu bereichern. Allerdings ist das Pilzesammeln heute eher ein Freizeitvergnügen, und wenn kein Pilz gefunden wird, ist das nicht schlimm. Für die Menschen des Mesolithikums waren dagegen die Sammelfrüchte des Waldes eine wichtige Ergänzung ihrer Nahrungsvorräte, die sie durch den Winter brachten. Weiterlesen

Mein Freiwilliges Jahr in der volkskundlichen Sammlung

Mein Name ist Annika Breuker und ich bin seit September 2014 als Freiwillige im Rahmen eines Freiwilligen Sozialen Jahres (FSJ) Kultur in der volkskundlichen Sammlung der Museumslandschaft Hessen Kassel (MHK) tätig. Bereits in der Schule hatte ich im Leistungskurs Geschichte festgestellt, dass ich gerne weiter geschichtswissenschaftlich arbeiten würde. Ich kam schließlich auf die Idee, mich für ein FSJ zu bewerben, da ich nach dem Schulabschluss praktische Erfahrungen sammeln wollte, bevor ich mich für ein Studium entschied.  Weiterlesen

Ein Kolonialwarenladen aus Kaufungen – von der Auslage in die Museumsvitrine

Am 1.12.1949 wurde der Kolonialwarenladen Finke in der Mühlenstraße 3 in Kaufungen, Kreis Kassel, eröffnet, und am 30.9.1977 wurden dort die letzten Dinge verkauft. Der Inhaber, Helmuth Finke, hätte sicher nicht damit gerechnet, dass ein Teil seines Ladens rund 40 Jahre später einmal in einem Museum präsentiert wird. Wie kam es dazu?

Helmuth Finke in seinem Laden im Dezember 1952

Helmuth Finke in seinem Laden im Dezember 1952

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Es ist Reisezeit (III)…

Nachdem Irina Görner, Leiterin der Sammlung Vor- und Frühgeschichte, bereits der Frage nachgegangen ist, ob es sich beim Reisen um ein neuzeitliches Phänomen handelt und Stefanie Cossalter Ihnen Souvenirs der Pilgerreisen aus dem Mittelalter sowie die Italienreisen der hessischen Landgrafen in der Frühen Neuzeit näher brachte, gibt Martina Lüdicke, Leiterin der Sammlung Volkskunde, Ihnen heute einen kleinen Abriss über Freizeit- und Urlaubsaktivitäten zu Beginn des letzten Jahrhunderts.  Weiterlesen

Es ist Reisezeit (II)…

… und gerne erwirbt man währenddessen das eine oder andere Souvenir als Erinnerung an diese schönen Tage. Das war früher nicht anders als heute, auch wenn die Gründe für eine Reise im Mittelalter oder der Frühen Neuzeit nicht vergleichbar mit unseren heutigen Urlaubsreisen waren. So spielten neben den beruflich notwendigen Reisen, etwa von Kaufleuten, Handwerksgesellen oder Schaustellern, vor allem Pilgerreisen zu Orten, die sich durch Reliquien oder Wundererscheinungen auszeichneten, eine wichtige Rolle.

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Ausgrabung vor 100 Jahren. Ein früher Fundbericht aus Kassel

„Aus den Anfängen der Menschheitskultur. Genaue Abbildungen in natürlicher Grösse und Farbe, der von ihm selbst gemachten Funde, gemalt von Jean Gümpell“, so der Titel eines frühen Fundberichts, der im Jahr 1914 von Johannes Boehlau, dem damaligen Direktor des Landesmuseums in Kassel, angekauft wurde. Es handelt sich um ein großformatiges Album mit gezeichneten Darstellungen von archäologischen Funden, die aus der Lehmgrube der Kasseler Ziegelei Thiessen stammen. Weiterlesen

Es ist Reisezeit…

…und der Sommerurlaub steht vor der Tür! Genau der richtige Zeitpunkt, um mal darüber nachzudenken, ob die Menschen das Fernweh eigentlich schon immer gepackt hatte oder ob es sich dabei doch eher um ein neuzeitliches Phänomen handelt. Bei der Frage, ob auch die Menschen in vorgeschichtlicher Zeit bereits Reisen unternommen haben, dürften wir strenggenommen eigentlich nicht von „Reisen“ sprechen, denn unsere Reise in den Sommerurlaub ist nur eine Variante des „Verreisens“. So gibt es durchaus unterschiedliche Anlässe: Eine Geschäftsreise, ein Verwandtenbesuch, eine Bildungsreise, eine Pilgerreise und ein Badeurlaub lassen sich jedenfalls nicht gut miteinander vergleichen. Während wir für die reine Urlaubsreise in der Vorgeschichte eher keine Beispiele finden, lassen sich für einige der anderen Varianten durchaus Belege anführen. Weiterlesen