Eine Stele zieht um

Vieles um die Stele von Ellenberg (Guxhagen), Schwalm-Eder-Kreis, ist unklar: Wer ihre Hersteller waren, warum sie angefertigt wurde und wo sie ursprünglich aufgestellt war. Immerhin: Wir wissen, dass sie zu einem jungsteinzeitlichen Grabhügel gehörte und daher mindestens in die Zeit vor 2800 und 2200 v. Chr. datiert. Über ihre Auffindung konnten wir bereits an anderer Stelle berichten.

Sicher ist auch: Die Stele von Ellenberg zählt zu den Schwergewichten unter den Objekten der neuen Dauerausstellung im Hessischen Landesmuseum in Kassel. Einschließlich ihres modern ergänzten Unterteiles bringt sie rund 225 kg auf die Waage – und die müssen erst einmal bewegt werden. Wir haben den Transport mit dem Fotoapparat begleitet. Weiterlesen

Neues von der Altenburg – Ein Geländemodell und seine Folgen

Eigentlich sind Archäologen ja immer froh, wenn etwas Neues entdeckt wird. Erhalten sie doch fast immer neue Erkenntnisse, die tiefere Einsichten in das Leben in ferner Vergangenheit ermöglichen. Es gibt jedoch Momente, da kommen neue Forschungsergebnisse eher ungelegen – so etwa, wenn man gerade ein Museum einrichtet …

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Ein Landgraf gräbt aus – Frühe Feldforschung auf der Mader Heide

Landgraf Carl auf einem zeitgenössischen Portrait. Künstler: wohl Hermann Hendrik II de Quiter (tätig 1700 bis 1731).

Landgraf Carl auf einem zeitgenössischen Portrait. Künstler: wohl Hermann Hendrik II de Quiter (tätig 1700 bis 1731).

Als vor einigen Jahren unserem durchlauchtigsten und großmächtigsten Landgrafen von Hessen, unserem allergnädigsten Fürsten und Landesvater, von gewissen Leuten die Nachricht zu Ohren gekommen war, daß nicht weit von der goldführenden Eder auf einer unfruchtbaren Feldlage, die die Anwohner des benachbarten Dorfes Maden die Maderheyde nennen, viele aus Rasenstücken errichtete Grabhügel zu sehen wären, ließ er diese bei seiner einmaligen Vorliebe für heimatliche Altertümer in seiner Gegenwart öffnen, um zu sehen, ob vielleicht unter ihnen alte Denkmäler verborgen wären.

So die einleitenden Worte des Marburger Universitätsprofessors Johann Hermann Schmincke in einer Abhandlung aus dem Jahr 1714. Schmincke berichtet darin über die Bergung vorgeschichtlicher Funde durch Landgraf Carl (Regierungszeit von 1670 bis 1730) auf der Mader Heide bei Gudensberg. Der Landgraf – bekannt für seine Vorliebe für Wissenschaft und Kunst – war offenbar auch an archäologischen Funden interessiert. Dabei boten ihm die Grabhügel der Mader Heide sicher ein leicht erkennbares und vielversprechendes Ziel.

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Verschlusssache – Nadeln aus der Bronzezeit

Ob zum Nähen, Stricken, Häkeln oder Heften – Nadeln bringen wir heute gewöhnlich mit Textilarbeiten in Zusammenhang. In der Archäologie steht der Begriff „Nadel“ dagegen meist für Gegenstände zum Verschließen von Kleidern oder zum Befestigen von Hauben oder Haaren – Aufgaben, die heute in der Regel Reißverschlüsse, Knöpfe, Haargummis oder Haarspangen übernehmen. Vor allem in der Bronzezeit (2200 bis 800 v. Chr.) sind solche Schmucknadeln in großer Zahl und Formenvielfalt belegt.

Brillennadel von Haina, Kreis Waldeck-Frankenberg.

Brillennadel von Haina, Kreis Waldeck-Frankenberg.

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Rekonstruktion des Steinkammergrabes von Züschen im Hessischen Landesmuseum

Die Grabrekonstruktion im Bau

Die Grabrekonstruktion im Bau.

Im Rundgang durch die neue Ausstellung zur Vor- und Frühgeschichte im Hessischen Landesmuseum in Kassel entsteht das Steinkammergrab von Züschen neu. Genauer gesagt ein Teil davon, denn für eine vollständige Rekonstruktion ist das Original mit rund 20 m Länge viel zu groß. Abgüsse von 5 Wandsteinen – bis zu 3 m lang und etwa 1,5 m hoch – zeigen das Endstück der Kammer im Innern einer großen Vitrine. Sie vermitteln einen Eindruck vom Aussehen des Grabes zur Zeit seiner Nutzung in der mittleren Jungsteinzeit vor etwa 5500 bis 4800 Jahren. Weiterlesen

In Form geschlagen – von frühen Steingeräten

Gerätschaften aus zurechtgeschlagenem Stein sind die ältesten Werkzeuge des Menschen. Sie bestehen meist aus Feuerstein oder anderem glasartig brechendem Material, und tauchen erstmals vor mehr als 2 Millionen Jahren in Afrika auf. In unserem Raum datieren die ältesten Steingeräte gesichert in die Zeit des homo heidelbergensis vor spätestens 300.000 Jahren. Der moderne Mensch – homo sapiens – war damals noch längst nicht in Mitteleuropa erschienen, noch nicht einmal der Neandertaler …

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Von Talglichtern und Kienspänen

KerzeSpätestens seit der Zeitumstellung ist es nicht länger zu leugnen: Mit dem Herbst ist auch die dunkle Jahreszeit angebrochen. Viele werden die langen Sommerabende vermissen. Manch einer freut sich aber auch auf die Adventszeit mit ihren hell erleuchteten Weihnachtsmärkten. Und selbst die Sommerliebhaber müssen zugeben, dass Winterabende bei Kerzenlicht ihren Reiz haben. Die damit verbundene schummrige Beleuchtung ist heute vor allem eine nette Abwechslung; für die Menschen der Vorgeschichte war sie jedoch der Normalzustand. Sobald es draußen dämmerte, mussten die meisten Arbeiten eingestellt werden. Im dunklen Wald lässt sich nichts sammeln, niemand kann am Haus bauen oder Fische fangen, und selbst einen Gang ins nächste Dorf wird man sicher nur ungern auf sich genommen haben. Weiterlesen

Vom Himmel gefallen: die Regenbogenschüsselchen

Goldener Dreiwirbelstater aus Mardorf.

Goldener Dreiwirbelstater aus Mardorf.

… dass diese Schüsselchen von Kraft der Sonne durch Wirkung influentischer, natürlicher und elementischer Kraft, wenn die Sonne den Regenbogen bescheinet, IN PUNCTO der Zusammenkunft der Sonnenstralen und des Regenbogens gehling erschaffen und also geformiret werden, und hernach herabfallen,[1] würde man heute sicher nicht mehr glauben. Dennoch handelt es sich hier um einen ernst gemeinten Versuch, das Vorkommen der Regenbogenschüsselchen zu erklären. Leonhard Thurneisser (1531-1596), Leibarzt des brandenburgischen Kurfürsten, hat ihn uns aus dem 16. Jahrhundert überliefert, und vielleicht sind Ihnen die Regenbogenschüsselchen ja selber aus Erzählungen bekannt. Weiterlesen

Hier können Sie einpacken…

Auf über 1000 Quadratmetern lagert der Bestand der vor- und frühgeschichtlichen Sammlung

Auf über 1000 Quadratmetern lagert der Bestand der vor- und frühgeschichtlichen Sammlung.

…etwas anderes bleibt einem auch gar nicht übrig, wenn man ein Museum wieder einrichten will! Vom frühmittelalterlichen Grabstein über bis zu 80 cm hohe zerbrechliche Keramikgefäße bis hin zur weniger als 1 cm großen mittelsteinzeitlichen Feuersteinklinge: Alles, was in der neuen Dauerausstellung des Hessischen Landesmuseums präsentiert werden soll, muss heil und sicher aus dem Museumsdepot an seinen neuen Standort im Ausstellungsraum gelangen. Die Sammlung Vor- und Frühgeschichte hat dabei naturgemäß ganz andere Probleme zu bewältigen, als die Abteilung Angewandte Kunst oder die Volkskundesammlung. Es beginnt damit, dass nicht nur einige hundert, sondern rund 2600 Einzelobjekte aus dem rund 1 Million Einzelobjekte umfassenden Gesamtbestand der Sammlung aus unzähligen Kartons anhand ihrer Inventarnummern herausgesucht werden müssen. Weiterlesen

Herbstzeit-Sammelzeit

In den letzten Wochen trifft man bei Spaziergängen im Wald immer wieder Menschen, die sich abseits der Wege durchs Dickicht schlagen. Meist haben sie Körbe oder Taschen dabei, und ganz bestimmt ist den wenigsten dieser Pilzliebhaber klar, dass sie sich gerade auf den Spuren mittelsteinzeitlicher Jäger und Sammler bewegen. Denn genau wie diese, vor rund 9000 Jahren, nutzen sie das herbstliche Pilzwachstum im Wald, um ihren Speisezettel zu bereichern. Allerdings ist das Pilzesammeln heute eher ein Freizeitvergnügen, und wenn kein Pilz gefunden wird, ist das nicht schlimm. Für die Menschen des Mesolithikums waren dagegen die Sammelfrüchte des Waldes eine wichtige Ergänzung ihrer Nahrungsvorräte, die sie durch den Winter brachten. Weiterlesen