Ein Landgraf gräbt aus – Frühe Feldforschung auf der Mader Heide

Landgraf Carl auf einem zeitgenössischen Portrait. Künstler: wohl Hermann Hendrik II de Quiter (tätig 1700 bis 1731).

Landgraf Carl auf einem zeitgenössischen Portrait. Künstler: wohl Hermann Hendrik II de Quiter (tätig 1700 bis 1731).

Als vor einigen Jahren unserem durchlauchtigsten und großmächtigsten Landgrafen von Hessen, unserem allergnädigsten Fürsten und Landesvater, von gewissen Leuten die Nachricht zu Ohren gekommen war, daß nicht weit von der goldführenden Eder auf einer unfruchtbaren Feldlage, die die Anwohner des benachbarten Dorfes Maden die Maderheyde nennen, viele aus Rasenstücken errichtete Grabhügel zu sehen wären, ließ er diese bei seiner einmaligen Vorliebe für heimatliche Altertümer in seiner Gegenwart öffnen, um zu sehen, ob vielleicht unter ihnen alte Denkmäler verborgen wären.

So die einleitenden Worte des Marburger Universitätsprofessors Johann Hermann Schmincke in einer Abhandlung aus dem Jahr 1714. Schmincke berichtet darin über die Bergung vorgeschichtlicher Funde durch Landgraf Carl (Regierungszeit von 1670 bis 1730) auf der Mader Heide bei Gudensberg. Der Landgraf – bekannt für seine Vorliebe für Wissenschaft und Kunst – war offenbar auch an archäologischen Funden interessiert. Dabei boten ihm die Grabhügel der Mader Heide sicher ein leicht erkennbares und vielversprechendes Ziel.

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Ein rätselhafter Depotfund

Eine neue Dauerausstellung zu konzipieren heißt, altbekannte Exponate auszuwählen und für die Ausstellung zu beschriften, aber auch ungewöhnliche, manchmal sogar spektakuläre Entdeckungen im eigenen Depot zu machen. Über manche dieser Neuendeckungen ist kaum etwas bekannt. Andere wurden von Forschern schon bearbeitet, geben den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Museums aber dennoch Rätsel auf. Ein solches Kunstwerk ist eine Medaille aus Silber, die der Leiterin der Sammlung Angewandte Kunst, Dr. Antje Scherner, in den Münzschränken des Depots in die Hände fiel. Es handelt sich um ein Werk, das in engem Zusammenhang zu Leonhard Kern (1588 – 1662) steht. Kern gilt als einer der wichtigsten Bildhauer des Barock in Deutschland. Auch in der Kasseler Sammlung ist er vertreten – zu Lebzeiten Landgraf Carls sogar mit mehreren Skulpturen aus Elfenbein.

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