Interview mit Anne Becker: Restauratorin für Kunsthandwerk

Die Restauratoren und Restauratorinnen der Museumslandschaft Hessen Kassel sorgen nicht nur dafür, dass sich die Objekte den Besuchern im Museum von ihrer besten Seite zeigen können. Sie entschlüsseln auch historische Herstellungs- und Bearbeitungsmethoden, erforschen alte Materialien und erhalten die Sammlungsstücke für nachfolgende Generationen.  Zu ihnen zählt Frau Anne Becker, die seit November 2000 als Restauratorin für Kunsthandwerk bei der MHK tätig ist. Wie sie nach Ihrem Studium der Restaurierung archäologischer, kunsthandwerklicher und volks- und völkerkundlicher Objekte in Stuttgart schließlich nach Kassel kam, verrät sie uns in einem Interview in ihrer Restaurierungswerkstatt.

Diplomrestauratorin Anne Becker in ihrer Werkstatt

Diplomrestauratorin Anne Becker in ihrer Werkstatt

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Weihnachten im Jahr 1491

Es war der Weihnachtstag des Jahres 1491, als Papst Innozenz VIII. dem von einer Pilgerreise aus dem Heiligen Land heimkehrenden Landgrafen Wilhelm I. von Hessen in Rom ein kostbares Prunkschwert und einen perlenbestickten Hut überreichte. Mit diesen geweihten Kleinodien war dem hessischen Landgrafen die höchste päpstliche Auszeichnung zuteil geworden. Der Hut ist verloren, doch hat sich das mächtige Schwert bis heute in Kassel erhalten.

Papstschwert Wilhelms I., 1490  Hieronymus von Sutri Silber, vergoldet, Email, Stahl Rom

Papstschwert Wilhelms I., 1490
Hieronymus von Sutri
Silber, vergoldet, Email, Stahl
Rom

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Von Speiseschwertern und Teufelszinken

Das Messer – welches vom Althochdeutschen mezzir oder mazsahs kommend so viel wie „Speiseschwert“ bedeutet – ist neben dem Löffel das älteste und bis ins 16. Jahrhunderts mit diesem oftmals einzige Esswerkzeug bei Tisch.

Zwei Löffel aus Achat, vergoldetem Silber und Email, 1. Drittel 18.Jh., Hessen

Zwei Löffel aus Achat, vergoldetem Silber und Email, 1. Drittel 18.Jh., Hessen

Im Mittelalter waren einfache Gebrauchsmesser und Löffel aus Holz oder Horn als persönliches Essbesteck üblich, die spätestens ab dem 15. Jahrhundert in einem Lederfutteral am Gürtel mitgeführt wurden. Dieser lederne Köcher wurde ursprünglich als Besteck bezeichnet und war damit Namensgeber unseres heutigen Bestecks als zusammenpassende Garnitur verschiedener Esswerkzeuge. Die dreizinkige Gabel, nicht zu verwechseln mit der zweizinkigen Vorlegegabel, sollte nördlich der Alpen jedoch erst wesentlich später und gegen große Widerstände ihren Platz als persönliches Essgerät finden. Weiterlesen

Die Rheinfelstafel

Detail der Rheinfelstafel

Detail der Rheinfelstafel

Eine der bekanntesten Pietra-dura-Arbeiten der Kasseler Steinschneidewerkstätten des 18. Jahrhunderts ist die so genannte „Rheinfelstafel“, ein aus Steinen zusammengesetztes Bild mit Abmessungen von 1,91 x 1,41 m und einem Gewicht von etwa 450 kg. Pietra-dura (ital. „harter Stein“), auch Florentiner Mosaik genannt, bezeichnet im Kunsthandwerk die Technik, Bilder und Ornamente aus zurecht geschliffenen Intarsien zu legen. Das Werk gehört heute zur Sammlung Angewandte Kunst und ist bald wieder in der neuen Dauerausstellung des Hessischen Landesmuseums in Kassel zu sehen. Weiterlesen

Zerbrechliche Schätze (Teil II) – „Venedisches“ Kristallglas aus Kassel

Sand, Kalk und Soda bzw. Pottasche – mehr Bestandteile braucht es kaum um bei ca. 600 °C die rotglühende Glasmasse entstehen zu lassen, aus der kundige Hände die fragilsten Kunstwerke zu formen verstehen. Doch der Weg vom frühen grünen Waldglas bis zum begehrten, klar durchsichtigen Weißglas war lang und dessen erfolgreiche Herstellung nicht nur vom Wissen um die Verwendung der entsprechenden Rohstoffe und deren chemische Prozesse abhängig, sondern ebenso von den Fortschritten im Ofenbau und in der Gewinnung von Holzkohle. Weiterlesen

Es ist Reisezeit (II)…

… und gerne erwirbt man währenddessen das eine oder andere Souvenir als Erinnerung an diese schönen Tage. Das war früher nicht anders als heute, auch wenn die Gründe für eine Reise im Mittelalter oder der Frühen Neuzeit nicht vergleichbar mit unseren heutigen Urlaubsreisen waren. So spielten neben den beruflich notwendigen Reisen, etwa von Kaufleuten, Handwerksgesellen oder Schaustellern, vor allem Pilgerreisen zu Orten, die sich durch Reliquien oder Wundererscheinungen auszeichneten, eine wichtige Rolle.

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Zerbrechliche Schätze (Teil I) – von gläsernen Schlangen und Drachen

Greifen wir heute zu einem Glas, etwa einem Weinglas, ist uns kaum bewusst, dass gerade das klare, dünnwandige Glas an den frühneuzeitlichen Höfen Europas ein begehrtes Luxusobjekt war. In Venedig zur höchsten künstlerischen Vollendung gebracht, wurde es ab Mitte des 16. Jahrhunderts als sog. „venedisches Kristallglas“, „weißes Glas“ oder „Glas vom Tage“ auch an den landgräflichen Hof in Kassel importiert. Weiterlesen

Ostereier in der Sammlung Angewandte Kunst?

In den Beständen der Sammlung Angewandte Kunst finden sich zahlreiche Straußeneier – kunstvoll geschnitzt, kostbar gefasst, aber auch bemalt, so wie in zahlreichen Haushalten Hühnereiern dieser Tage ihr buntes Osterkleid verliehen wird. Doch haben die wertvoll inszenierten Eier des afrikanischen Laufvogels tatsächlich etwas mit Ostern zu tun? Weiterlesen

Die Sammlungsleiterinnen (2): Dr. Antje Scherner

Dr. Antje Scherner

Liebe Frau Scherner, vielen Dank, dass Sie sich Zeit für dieses Interview nehmen. Wovon halte ich Sie gerade ab?

Gerade sind wir in den letzten Zügen der Korrekturen der Objektbeschriftungen. Auch wenn diese praktisch fertig sind, müssen doch neue Erkenntnisse, etwa zu den Materialzusammensetzungen, eingearbeitet werden.

Welchen Berufswunsch hatten Sie mit fünf Jahren? Weiterlesen